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Ausgabe 16.6.16


 Ausgabe 2.6.16


Ausgabe 20.5.16

 
 

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Hölzerne Wasserrohre aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gefunden
Im September letzten Jahres stießen Bauarbeiter in der Durlacher Marstallstraße beim Verlegen neuer Gas- und Wasserleitungen auf zwei relativ gut erhaltene hölzerne Rohre. Günter Baumann, Bauleiter der Stadtwerke Netzservice-Gesellschaft, vermutete, dass es sich dabei um alte, historisch wertvolle hölzerne Wasserleitungen handeln könnte, da er ähnliche Rohre von Abbildungen in der Chronik der Karlsruher Wasserversorgung kannte. Nach einer ersten Begutachtung durch Experten des Pfinzgaumuseums wurden die beiden Rohre ins Wasserwerk Durlacher Wald gebracht und ein drochronologisches Gutachten über das tatsächliche Alter der Rohre eingeholt. „Die beiden gefundenen Leitungsstücke sind tatsächlich von großer stadthistorischer Bedeutung. Die Kiefer, aus denen die Leitungsstücke hergestellt wurden, wurde im Winter 1640/41 gefällt, also während des Dreißigjährigen Krieges“, berichtet Dr. Ferdinand Leikam, Mitarbeiter des Stadtarchivs und derzeit Leiter des Pfinzgaumuseums in Durlach. Verbaut wurden die Rohre vermutlich nach dem Ende des Krieges, als in Durlach eine wirtschaft­li­che und kulturelle Blütezeit begann. Da die Stadt Durlach 1689 fast vollständig zerstört wurde, existieren heute nur sehr wenige Zeugnisse aus den Jahren zuvor, in denen Durlach die Residenzstadt der Markgrafschaft Baden-Durlach war. Vergleichbar alte und zugleich vergleichbar gut erhaltene Leitungsstücke aus Durlach waren bislang nicht bekannt. „Die Rohre sind überdies ein Beweis dafür, dass die Durlacher schon seit dem späten Mittelalter Wasser von den natürlichen Quellen am Fuß des Geigersberges mit hölzernen Rohren – so genannten Deichelrohren – in die Stadt leiteten, um sie mit fließendem Wasser zu versorgen. Sie gehören ins Pfinzgaumuseum, damit die Bevölkerung sie besichtigen kann. Daher haben wir sie dem Museum per Schenkung überlassen“, berichtet Prof. Matthias Maier, Leiter des Bereichs Trinkwasserversorgung bei den Stadtwerken Karlsruhe. Bevor die Rohre im Museum ausgestellt werden können, müssen sie aufwändig restauriert werden, damit sie für die Nachwelt erhalten werden. Das ist die Aufgabe von Lucie Selb, einer anerkannten Fachfrau für Objektrestaurierungen, die auch in Durlach arbeitet. Sie hat die Rohre inzwischen gereinigt und wird sie nun durch eine kontrollierte Lufttrocknung vor dem Zerfall retten. „Für ihr Alter sind die Leitungen in einem sehr guten Erhaltungszustand“, erläutert die Restauratorin. Die Kosten für die Restaurierung übernehmen der Freundeskreis Pfinzgaumuseum und die Stadtwerke Karlsruhe je zur Hälfte. „Mit der professionellen Restaurierung und der Übernahme der Objekte durch das Pfinzgaumuseum wird sichergestellt, dass diese wichtigen Zeugnisse der Durlacher Geschichte dauerhaft erhalten bleiben“, so Günther Malisius, Vorsitzender des Freundeskreises Pfinzgaumuseum.

Leserbrief
Insektenfreundliche Pflanzen werden abgemäht
Ich bin als Berufsimker im Karlsruher Stadtteil Durlach-Aue tätig und möchte Sie auf die großflächige Problematik der Grünflächenpflege in Karlsruhe und Umgebung hinweisen. Um nicht unnötig weit auszuholen, hier die wichtigsten Stichpunkte: • Die Mahd der Grünflächen in und um Karlsruhe wird, wenn es um die Nahrung für Insekten geht, zum falschen Zeitpunkt ausgeführt. Wenn genauer hingeschaut wird, betrifft dies nicht nur einige wenige Bezirke, sondern Alle. Hier muss bemerkt werden, dass die Tulpen, die zum Stadtgeburtstag gepflanzt wurden, bei der Mahd säuberlich ausgegrenzt werden, während die wirklich insektenfreundlichen Pflanzen abgemäht werden, und dies Jahr für Jahr. • Steinklee, Luzerne, Rot- und Weißklee und Löwenzahn – um nur einige zu nennen – sind für Bienen, Wildbienen, Käfer und Schmetterlinge eine unglaublich wichtige Nahrungsquelle. Diese Trachtpflanzen sind heimisch, wachsen auf den Grünstreifen und sind auch für den Laien zu erkennen. Durch den, nach meiner Meinung nach, falschen Zeitpunkt der Mahd, werden diese Pflanzen vor der Blüte oder sogar noch schlimmer während der Blühphase abgemäht. Eine natürliche Vermehrung dieser Pflanzen wird so stark gehemmt oder komplett verhindert. Bei den Mähvorgängen während der Blütezeit, zum Beispiel von Rot- und Weißklee, kommen auch viele Blütenbesucher – hauptsächlich Hummeln – unters Schneidemesser. Wie bereits oben vermerkt, werden Tulpen, die keine Trachtpflanzen sind, bei der Mahd ausgespart. • Durch meine Bienenpopulation der Imkerei BieVital (mehrere Bienenvölker an verschiedenen Standplätzen) und die extern von mir betreuten Bienenvölker in und um Karlsruhe, kann ich faktisch nachweisen , dass etwa ein bis zwei Tage nach einer großflächig angelegten Mahd, der Nektarstrom im Bienenvolk abreißt. Die kurze Hungerphase beträgt mehrere Tage und ist für die vom Menschen betreuten Bienenvölker zwar nicht tödlich, da der Imker eine so genannte Notfütterung im Extremfall vornehmen kann, die Hungerphase ist für die Entwicklung gesunder Bienenvölker aber dennoch nicht förderlich. Wildbienen, Hummeln und andere wichtige Insekten, können nicht so schnell auf andere nahrungsbringende Flächen umsteigen, da sie nicht im Kollektiv arbeiten. Sie verhungern dann zum Großteil. • Hummeln, Wildbienen und Co. stehen nicht umsonst unter Naturschutz, bzw. sogar unter Artenschutz, denn sie erhalten unser Ökosystem. Aus diesem Grund sollten blühende Grünstreifen während der Blühphase nicht gemäht werden. Dies wäre ein wichtiger Beitrag zum Natur- und Umweltschutz. • Dass Grünstreifen nicht so einfach in Blühstreifen umgewandelt werden können, wie es sich einige Bürger und Initiativen wünschen, sollte klar sein: Der Kosten- und Risikofaktor wäre zu hoch. Hier muss ich ein Lob aussprechen, swnn Karlsruhe hat tatsächlich recht viele Blühstreifen angesetzt. Allerdings gibt es in den Randbezirken nur sehr wenige solcher Blühstreifen. Meiner Meinung nach müssten dort die Landwirte und die Anwohner mehr Verantwortung übernehmen und für entsprechende Pflanzen in den Gärten und auf den Balkonen sorgen. • Die Mahd öffentlicher Grünstreifen liegt jedoch in städtischer/kommunaler Verwaltung und die Verantwortung ist hier wesentlich höher. Wenn Wiesen, Wegeränder, Wassergräben, Grünstreifen, Wegränder etc. während einer Blütezeit gemäht werden, bedeutet dies hektarweise Nahrungsmangel für wichtige Lebewesen in unserem Ökosystem. Hier kann noch einiges verbessert werden: - Wichtige Trachtpflanzen (z.B. Klee, Löwenzahn, Luzerne usw.) größtenteils bei der Mahd aussparen und erst nach der Blüte abmähen. Bei einem großflächigen Blütenteppich - Mahd auf spätereren Zeitpunkt verlegen. Diese Vorgehensweise wäre umweltgerecht, kostensparend und würde als Vorbild für die Bevölkerung wirken. - Neben den Linden könnten auch wichtige Nektar- und Pollen spendende Bäume gesetzt werden. (z.B. Bienenbaum, Götterbaum, Edelkastanie, Goldregen usw.). Solche Bäume sind nicht nur wichtig für die Bienen & Co., sie sehen auch gut aus und duften. Wichtig ist es, auf Spätblüher zu achten, da sie für unser Ökosystem sehr wichtig sind. - Das Personal zur Mahd sollte dringend geschult werden, was wichtige Trachtzpflanzen angeht. Dann würde auch das giftige und invasive Jakobskreuzkraut entfernt werden, anstatt wichtigem Steinklee. Anmerkung: Pyrrolizidinalkaloide, die von dieser Pflanze produziert werden, sind auch im Honig nachweisbar und sind toxisch bei Einnahme oder Hautkontakt. Die Eindämmung dieser Pflanze ist absolut relevant für Landwirte und Imker. Zudem wird es in der Bevölkerung teils mit dem Johanniskraut verwechselt, aus dem Tinkturen hergestellt werden.

Durlach Image-Film online

Historie und ein einzigartiges Lebensgefühl – wer in Durlach wohnt, weiß um die besondere Lebensqualität, die Karlsruhes größten Stadtteil auszeichnet. Diese nach Außen zu tragen, ist das Ziel des offiziellen Image-Films, den der Regisseur Serdar Dogan im Auftrag des Stadtamtes und des Vereins Durlacher Leben gedreht hat. In schwerelos wirkenden Bildern aus der Vogelperspektive und faszinierenden Zeitrafferaufnahmen, unterlegt mit einem wuchtigem Soundtrack, präsentiert Dogan ein Durlach, das Lust auf mehr macht. Gut ein Jahr hat die Produktion des knapp zweiminütigen Clips gedauert, der ab sofort auf der Webseite der Stadt Karlsruhe und auf Youtube zu sehen ist.

Das Durlacher Blatt hat eine Weiterleitung zum Youtube-Video eingerichtet: www.durlacher-blatt.de/imagefilm-durlach.html

Pestalozzischule Durlach und Schule am Turmberg erhalten
gemeinsame Talent Company
Neue Wege in die Berufsorientierung Erfolgreiche Brücken zwischen Schule und Wirtschaft bauen: Dieses Ziel verfolgt das bundesweite Talent Company-Konzept der Strahlemann-Stiftung (Heppenheim/ Hessen), das sich bereits in sechs Bundesländern bewährt. Nun erhält auch Durlach eine Talent Company – und gleich zwei Schulen mit ihren Schülern profitieren davon: Die Pestalozzischule und die Schule am Turmberg werden die Einrichtung gemeinsam nutzen. Realisiert wird das Erfolgskonzept in den kommenden Monaten in Räumen der Pestalozzischule. Am Montag, 11. April, erhielten die Schulen das positive Resultat in Form der Förderzusage über 50.000 Euro, nun starten Umbauten und im September 2016 soll die Talent Company ihre Pforten öffnen. Die Schulleiter Klaus Kühn (Pestalozzischule - Grund- und Werkrealschule) und Claudia Krämer (Schule am Turmberg - SBBZ Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum Förderschwerpunkt Lernen) gaben im Zuge der Projektzusage bekannt, künftig im Bereich der Berufsorientierung im Interesse ihrer Schüler noch enger zu kooperieren. Schon heute nimmt die Begleitung der Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf großen Raum ein – die Talent Company gibt nun die Möglichkeiten, die Schüler noch individueller und zielgerichteter zu betreuen. Sie können künftig in der Talent Company direkt in Kontakt mit möglichen Arbeitgebern treten und sich über verschiedenste Berufsbilder sowie Ausbildungswege informieren. Zugleich können die Unternehmen dem spürbaren Fachkräftemangel entgegenwirken und frühzeitig die Talente von morgen erkennen und fördern. „Jungen Menschen Wertschätzung zu geben, gerade in diesem wichtigen Lebensabschnitt beim Übergang von der Schule in den Beruf, ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Dafür steht die Talent Company“, so Strahlemann-Geschäftsführer Andreas Link. Möglich wird das Gemeinschaftsprojekt der beiden Durlacher Schulen nicht zuletzt dank einer großzügigen Unterstützung durch die Dr. Willmar Schwabe Unternehmensgruppe, die sich im Rahmen des 150-jährigen Jubiläums vor Ort für Bildung engagiert. Die Unternehmensgruppe Dr. Willmar Schwabe ist weltweit führend in der Erforschung, Entwicklung und Herstellung pflanzlicher und homöopathischer Arzneimittel sowie Nahrungsergänzungsmittel. 1866 in Leipzig gegründet, beschäftigt die Unternehmensgruppe heute rund 3.500 Mitarbeiter, davon rund 1.400 in Deutschland. Sitz der Zentrale ist Karlsruhe.

Die Alte Bach wurde verlegt
Mit Fließgewässern ist Durlach nicht gerade reich gesegnet. Natürlich, es gibt die Pfinz, die auf ihrer 60 Kilometer langen Reise vom Nordschwarzwald hin zum Rhein auch die hiesige Gemarkung durchquert, aber sonst? Selbst manche Ur-Durlacher kommen bei dieser Frage ins Grübeln. Kein Wunder also, dass ein anderes Fließgewässer nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit in den letzten Wochen in seinem Lauf verändert werden konnte. Die Rede ist von die Alte Bach, den nicht nur wegen seiner geringen Größe kaum jemand kennt, sondern vor allem deshalb, weil er in Durlach weitgehend unterirdisch fließt. Die ungewöhnliche Bezeichnung mit dem weiblichen Artikel ist historisch begründet. In der ersten urkundlichen Erwähnung 1535 wurde das Rinnsal als „die allt bach“ bezeichnet. Zu dieser Zeit lag der Ursprung des Bachs in der Kinzig-Murg-Rinne zwischen Durlach und Rintheim. Im 17. Jahrhundert wurde die Alte Bach zur Trockenlegung der dortigen Sümpfe als Entwässerungsgraben ausgebaut. Weitere Entwässerungsmaßnahmen führten 1960 zur Anbindung an den Tiefentalgraben und schließlich zur amtlichen Verortung der Quelle in das Gebiet nördlich von Grünwettersbach. Von dort fließt der Bach durch Hohenwettersbach zu einem Hochwasserrückhaltebecken beim Zündhütle und weiter unterirdisch durch Durlach, um erst in der Untermühlsiedlung im nördlichen Teil der Pfarrer-Blink-Straße wieder aufzutauchen. So war es zumindest bis vor einigen Wochen, denn im Zuge der Bauarbeiten zur dm-Zentrale musste die Alte Bach umgeleitet werden. Floss er zuvor quer unter dem dm-Gelände östlich der Alten Karlsruher Straße hindurch, tritt er nun direkt unterhalb der Durlacher Allee ans Tageslicht und wird überirdisch an der Rückseite der Grundstücke der südlichen Pfarrer-Blink-Straße entlang geführt. Dann verschwindet er wieder kurzzeitig in der Erde, um im weiteren Verlauf parallel mit der Pfinz Richtung Autobahn zu fließen. Kurz darauf trennen sich die Flüsse, die Pfinz sprudelt weiter in Richtung Storenacker, die Alte Bach in Richtung Elfmorgenbruch. Die Maßnahme, die Alte Bach an der südlichen Pfarrer-Blink-Straße oberirdisch fließen zu lassen, hat bautechnische Gründe. Voraussetzung für die Bebauung des Areals ist ein sicheres Fundament, was nur mit der Verlegung des Baches zu gewährleisten ist. Diese ist aber auch Ausdruck einer möglichst naturnahen Umsetzung des Bauvorhabens, was von Beginn an einer der Grundlage der Planungen war. So erhalten die Anwohner zwar kein neues Naherholungsgebiet, aber doch ein kleines Stück Spazierweg, das ökologisch gestaltet, zum Bummeln einlädt.

Planverfahren für den Neubau des Anna-Leimbach-Hauses eröffnet
An dem Standort des Anna-Leimbach-Hauses wird ein neues Pflegeheim entstehen. Das geht aus dem Vorhaben bezogenen Bebauungsplan für das Areal zwischen Blumentor- und Pfinzstraße hervor, den das Stadtplanungsamt letzte Woche im Bürgersaal der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Bereits im Frühjahr 2017 soll laut Aussage des neuen Trägers, der AWO, mit dem Abriss der alten Gebäude begonnen werden, die Fertigstellung ist für Ende 2018 geplant. Im Neubau sollen sowohl Pflegeplätze, als auch Wohnungen für betreutes Wohnen entstehen. Der noch bestehende Kindergarten bleibt in das Areal integriert und wird ebenfalls neue Räumlichkeiten beziehen: Im Plan vorgesehen ist der Bau eines dreistöckigen Pavillons im rückwärtigen Teil des 4700 Quadratmeter großen Grundstücks. Nach Vorgabe des neuen Landesheimbauordnung steht jedem Bewohner zukünftig ein Einzelzimmer mit eigenem Sanitärbereich zur Verfügung, Küche und Garten sollen zur Förderung der sozialen Kontakte gemeinschaftlich genutzt werden. Der Neubau bietet Platz für sieben Wohngruppen mit jeweils 12 Bewohnern, zudem entstehen 10 Zweizimmerwohnungen für Betreutes Wohnen. Die Umsetzung der neuen Heimordnung war in dem alten Gebäude aufgrund der maroden Bausubstanz nicht möglich, zudem wäre es mit halbierter Bewohnerzahl nicht rentabel zu bewirtschaften gewesen. Für den ursprünglichen Betreiber, die Caritas, waren das die ausschlaggebenden Gründe für die Schließung des Anna-Leimbach-Hauses, zumal zum damaligen Zeitpunkt auch kein Investor in Sicht war, der die finanzielle Belastung abgefedert hätte. Der AWO ist es nun gelungen, die WLH-GmbH mit ins Boot zu holen, so dass mit der Neugestaltung des Areals Durlach zwei wichtige Pflege- und Betreuungsangebote erhalten bleiben, deren Schließung von den anderen hiesigen Einrichtungen nicht hätte kompensiert werden können. Zwar bezweifelte niemand während der öffentlichen Anhörung die Notwendigkeit des Neubaus, Kritik gab es aber trotzdem. Die entzündete sich vor allem an den Bauplänen des verantwortlichen Architekturbüros. Die Gestaltung der Fassade wirke abweisend und passe nicht zu den Nachbargebäuden, zudem würde durch die geringe Zahl an Parkplätzen der Bring- und Abholverkehr zum und vom Kindergarten für Verkehrsprobleme sorgen. Diese Einwände werden im Zuge des Planverfahrens gesammelt, ebenso weitere, die jeder Bürger vorbringen kann. Die Pläne sind noch eine Woche lang auf der Webseite der Stadt Karlsruhe einsehbar, die dort eingehenden Kritikpunkte können dann in den Bebauungsplan einfließen. Nach passieren des Gemeinderates wird dieser dann erneut vier Wochen lang ausliegen, und auch während dieser Zeit können noch Einwände gemacht werden. Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt, was mit den Flüchtlingen passieren wird, die aktuell im Anna-Leimbach-Haus untergebracht sind. Der landesweit einzigartige Schutzraum für Schwangere und schwer traumatisierte Asylbewerber soll fortgeführt werden, ein neuer Standort ist bisher aber nicht gefunden worden.

Tradition und Innovation – die Grötzingerin Susanne Merzdorf baut Cembali
Susanne Merzdorf hat viel zu tun in diesen Tagen. Vier in ihrer Werkstatt gefertigte Cembali sind bei den Händel-Tagen im Einsatz und müssen regelmäßig neu gestimmt werden. Dazu wird sie gleich selbst nach Karlsruhe fahren, obwohl in Remchingen genug Arbeit wartet: Ein Cembalo nach italienischer Bauart wird gerade für den Versand nach Augsburg vorbereitet, ein anderes Modell ist halbfertig und Susanne Merzdorf müsste eigentlich die Details der Tastenführung überprüfen und nachbearbeiten. Und dann wartet da noch ein Spinett eines Kunden auf seine Restaurierung. Von Stress oder Ungeduld ist bei der Grötzinger Cembalobaumeisterin trotzdem nichts zu spüren, Instrumentenbau ist eben eine Kunst, die Zeit, Sorgfalt und Leidenschaft braucht. Im Falle der Merzdorfs kommt noch eine gute Portion Forschergeist dazu, neben den anderen Ingredienzien ein Grund für die fast 90jährige erfolgreiche Geschichte des Familienbetriebes. Diese beginnt in Sachsen. 1926 baute Walter Merzdorf, ein Instrumentenhändler, sein erstes Clavichord, ein Tasteninstrument bei dem im Gegensatz zum Cembalo die Saiten nicht mit einem Plektrum oder Kiel angerissen, sondern mit einem schmalen Metallplättchen angeschlagen werden. 1949 verlegt Walter Merzdorf den Firmensitz nach Grötzingen. Der Betrieb baut mittlerweile auch Cembali, Virginale und Spinette, später erweitern Hammerklaviere das Programm. 1969 erfolgt der Umzug in die heute noch bestehenden Räumlichkeiten in Remchingen. Vorbilder für die Merzdorf-Cembali sind alte Instrumente, die jedoch seit Ende der 1980er Jahre mit Hilfe von Grundlagenforschung klanglich optimiert werden. Dazu kooperierte Eckehard Merzdorf, der den Betrieb 1970 von seinem Vater Walter übernahm, mit dem Institut für angewandte Physik in Karlsruhe und konnte anhand der sogenannten Modalanalyse gezielte Verbesserungen an den Resonanzböden seiner Cembali vornehmen. Weitere Forschungen dienten der Verbesserung der Statik der Instrumente mit dem Ziel, die fragile Innenkonstruktion so gut wie möglich zu stabilisieren, um ohne Abstriche bei der Klangentfaltung die Stimmung möglichst lange zu halten. Diese Mischung aus Innovation und traditionellem Handwerk ist maßgeblich für die Qualität der Merzdorf Instrumente. Die Baupläne für die Cembali stammen von Original-Instrumenten, sind diese nicht aufzutreiben, zerlegt Susanne Merzdorf auch schon mal ein Instrument zum Maßnehmen in seine Einzelteile. Verwendet werden in der Regel fünf bis sechs verschiedene Holzarten, vorwiegend aus dem Schwarzwald, es sei denn, der Kunde hat andere Wünsche. Dann ist wieder Geduld gefragt, denn 350 bis 400 Arbeitsstunden werden nötig sein, bevor das Instrument seinem neuen Besitzer übergeben werden kann. Das alles hat natürlich seinen Preis. Zwischen 14.000 und 30.000 Euro, je nach Ausführung, kostet ein Merzdorf-Cembalo. Der Kundenkreis ist deshalb nicht nur aufgrund der Seltenheit der Cembali überschaubar. Fünf Instrumente werden pro Jahr verkauft (dazu kommen Servicearbeiten wie Restaurationen und Reparaturen), an musikalische Institutionen wie die Musikhochschule in Budapest, aber auch an Berufsmusiker und gut betuchte Amateure. Heute leitet Susanne Merzdorf die Firma in dritter Generation. Dass sie es sein würde, die den Betrieb weiterführt, hat sich früh abgezeichnet. Seit ihrer Kindheit spielt sie selbst Cembalo und hat zudem – im Gegensatz zu ihren älteren Schwestern – die Liebe des Vaters zum Instrumentenbau geerbt. Der arbeitet nach wie vor im Betrieb, die Weitergabe der Handwerkskunst wird so als ein beständiger und lebendiger Prozess praktiziert. Und das auch in der Zukunft, denn Susanne Merzdorfs 16jährige Nichte arbeitet ebenfalls im Betrieb und hat, ganz im Sinne der Merzdorfschen Familientradition, eine Lehre begonnen. Natürlich als Cembalobauerin.

Soll der Tierpark Oberwald bleiben?
„Es ist unstrittig, dass der Tierpark Oberwald weiterhin seine große Bedeutung als Naherholungsgebiet für die Karlsruher Bürgerinnen und Bürger behält“, lautet die Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der FDP-Ortschaftsratsfraktion zur Zukunft des Oberwalds. Aufgrund seiner Wichtigkeit sei eine öffentliche Diskussion derzeit nicht geplant. Diese Auffassung teilte Ortschaftsrat Günther Malisius in der letzten Sitzung ganz und gar nicht. Er stellte die Notwendigkeit des Tierparks in Frage und votierte sogar für eine Schließung des 16 Hektar großen Parks. 1965 war der Tierpark Oberwald eröffnet worden, da man für die Bundesgartenschau 1967 mehr Fläche im Zoologischen Garten benötigte. Eine artgerechte Haltung für Huftiere mit großflächigem Platzbedarf war damals im Stadtzentrum nicht möglich. Da der Oberwald über keine Wasser- und Stromversorgung verfügt, mit dem man die Ställe heizen kann, wurden ausschließlich Tiere angesiedelt, die mit dem mitteleuropäischen Klima zurechtkommen. Vor allem in Europa bedrohte Tierarten fanden im Oberwald daraufhin großzügigen Platz und können bei freiem Eintritt jederzeit besucht und beobachtet werden. Über 100 Tiere in zwölf Arten fanden ein neues Zuhause in dem stadtnahen Wald. Darunter sind neben Gemsen, Elchen, Wildschweinen und Hirschen auch einige Exoten untergebracht. Bei manchen Tieren, wie dem stark bedrohten Przewalski-Pferd kann der Zoo als Betreiber der Dependance auf hervorragende Zuchtergebnisse blicken. Einige der Tiere wurden bereits in der Mongolei wieder ausgewildert. Unter anderem gehören zu den im Oberwald untergebrachten Tiere auch die iranischen Halbesel „Onager“, ebenso wie die Wisente, die im seit 1985 existierenden europäischen Zuchtprogramm (EEP) aufgeführt und für die Zucht vom Aussterben bedrohter Rassen registriert sind. Das Rudel persische Kropfgazellen besteht nur aus Männchen; die Weibchen sind im Zoo untergebracht und kommen nur in der Brunft mit den männlichen Exemplaren zusammen. Für die Jungtiere wäre es im März draußen im Oberwald. Gerade die „Exoten“ unter den Tieren wie die in Vietnam heimischen Sika-Hirsche oder die mesopotamischen Damhirsche – beides hoch bedrohte Arten – sind Malisius ein Dorn im Auge. „Die gehören nicht in den Oberwald und Gehege für einheimische Tiere haben wir im Umkreis genug“, erklärt er seine schon mehrfach geäußerte Ablehnung. Außerdem könne man mit einer Auflösung des Tierparks immens sparen bei Futter, Wasserversorgung, bei den Pflegern und beim Schutz der Bäume. Dieser Auffassung widersprach bei der Ortschaftsratsitzung übrigens vehement FDP-Fraktionskollegin Angelika Fink-Sontag. Sie teilt die Auffassung der Zoo-Verwaltung und plädiert für den Erhalt. Als regelmäßige Besucherin des Parks schätzt sie die naturnahe Unterbringung. „Ich habe Enkel, mit denen ich sehr gerne im Oberwald spazieren gehe und den Tierpark genieße. Ich war froh über die Antwort, dass die Wichtigkeit des Tierparks gesehen wurde und der Tierpark – eine Durlacher Attraktion – erhalten bleiben sollte“, erklärte sie.

Modehaus Nagel zieht um
Jetziges Hauptgeschäftshaus wird abgerissen
In den vergangenen Wochen rangten sich viele Gerüchte um das weithin bekannte Durlacher Modehaus Nagel. Da war von Insolvenz, oder Erkrankung des Betreibers, Holger Witzel, oder auch von maroder Bausubstanz, die Rede. Um es vorweg zu nehmen: Das Modehaus Nagel schließt nicht. Es zieht nur um und Holger Witzel wird weiterhin als Inhaber und Geschäftsführer das Geschäft betreiben. Es trifft allerdings zu, dass das von der Familie Nagel 1971 eröffnete Geschäftshaus in der Pfinztalstrasse 57 im Sommer nächsten Jahres abgerissen wird und die Volksbank Karlsruhe an dieser Stelle ein neues Gebäude bauen wird. (siehe auch extra Bericht „Pfinztalstrasse verändert...“ in dieser Ausgabe). Der Besitzer des Hauses, Manfred Nagel, ging 2004 in den Ruhestand und vermietete das Geschäft und die Immobilie an Holger Witzel, bis dahin Geschäftsführer im bekannten Karlsruher Modehaus Hiller. Mit nicht unerheblichen Investionenen, ausgewählten Kollektionen und freundlichem, qualifizierten Personal knüpfte er nahtlos an den guten Ruf des Geschäftes an. Es traf Holger Witzel dann 2014 völlig unvorbereitet, als er erfahren musste , dass die benachbarten Geschäftsbetreiber mit einer Bauvoranfrage darüber informiert wurden, dass auf „seinem“ Grundstück ein Neubau der Volksbank Karlsruhe geplant ist. Nur wenige Tage nach dem er sich mit Herrn Nagel über eine Verlängerung des Mietvertrages per Handschlag einig war. Kurz darauf folgte dann auch die Kündigung zum 30. Juni 2016. Manfred Nagel begründete uns gegenüber die Kündigung so: „Ich bin jetzt 77 Jahre alt. Eine kurzfristige Mietverlängerung hätte für mich immer eine Unsicherheit bedeutet und außerdem standen jetzt, nach 45 Jahren, erhebliche Investitionen an, um die Bausubstanz zu erhalten. Ich habe mich schweren Herzens zu dem Verkauf entschlossen.“ Für Holger Witzel war die Kündigung eine Duplizität der Ereignisse. Schon 2005 wurde das Haus „Hiller“ nach dem Tod des Besitzers von den Erben verkauft und abgerissen. Jetzt hatte er aber nicht nur für sich und seine Familie die Verantwortung, sondern auch für seine 22 Mitarbeiter. „Ich mache weiter“, so seine sofortige Ansage. Drei Mitarbeiterinnen machten von dem Angebot, sich mit einer Kapitaleinlage in die GmbH und Geschäftsführung einzubringen, gebrauch. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Pfinztalstraße waren schon seit längerem die Ü-Größen ausgegliedert gewesen. Nun wurde die Abteilung Herrenmode integriert, sodass über alle Größen hinweg hier ein breites Angebot zusammengefasst ist. Im Februar/März 2016 folgt in die erweiterten Räume separat die Fashion Mode und weiter in der Fußgängerzone, um die Ecke herum, zieht noch ein Schnäppchenmarkt und die Verwaltung ein. Nun war noch die Frage zu klären, wohin mit der Damen Mode? Da half das Glück, denn der 1-Euro-Laden in der Pfintalstraße 52 hatte geschlossen und nach erheblichen, noch anstehenden Umbauarbeiten werden die Damen dort ab März einkaufen können. Das Gesamtkonzept steht also und das nach etwas mehr als nur einem Jahr. Holger Witzel: „Es war ein unglaublicher Kraftakt, verbunden mit einem sehr hohen finanziellen Aufwand. Auf einer, veränderten Verkaufsfläche werden wir weiterhin aktuelle und hochwertige Damen-Mode anbieten. Und das Wichtigste: Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben!“ In dem jetzigen Geschäftshaus wird im April/Mai 2016 ein Räumungsverkauf stattfinden. Das Modehaus Nagel in Durlach wird weiterbestehen. Es zieht nur um! Heinz Jungmann

Hohenwettersbacher Pappelallee als „landschaftsprägende Allee“ geschützt
Antwort der Landesregierung auf kleine Anfrage fällt dennoch nicht durchweg positiv aus/Kenntnis der Gegebenheiten in Stuttgart offenbar nur begrenzt vorhanden. Erfreut über die Tatsache, dass die Hohenwettersbacher Pappelallee durch das neue Naturschutzgesetz als landschaftsprägende Allee (§ 14 Abs.1 Ziffer 7 NatSchG) geschützt ist, zeigen sich unisono die SPD/BL-Ortschaftsräte und der Landtagsabgeordnete Johannes Stober. Erstaunt zeigen sich die Ortschaftsräte und der Abgeordnete allerdings über die anschließende Aussage, nach der auch eine aus Winterlinden bestehende Allee die gleiche Wirkung entfalten könnte. „Über diese Aussage kann ich nur den Kopf schütteln“, so Stober. Schließlich sei die Hohenwettersbacher Pappelallee ja gerade deshalb so prägend, weil es sich eben um schlanke hohe Pappeln und nicht um irgendwelche anderen Bäume handle. Offenbar sei daher die notwendige Kenntnis über die Gegebenheiten vor Ort bei den Zuständigen im Regierungspräsidium Stuttgart nur begrenzt vorhanden, so der Abgeordnete. Einig sind sich beide auch im weiteren Vorgehen: „Wir wünschen uns Gespräche mit der Stadt, um doch noch einen gemeinsamen Weg zur Erhaltung der Pappelallee zu finden“, beteuert Fraktionsvorsitzender Detlef Kamlah für die Hohenwettersbacher. „Wir wollen die Pappelallee als beliebtes Ausflugsziel und weithin sichtbares Wahrzeichen für ganz Karlsruhe erhalten und sehen keinen Grund, warum das nicht gehen soll“, fügt Ortsvorsteherin Elke Ernemann hinzu.


Neue Wellnessduschen für das Weiherhofbad
Mit einem kurzen Festakt hat Bürgermeister Martin Lenz letzte Woche die neuen Wellness-Duschen im Weiherhofbad der Öffentlichkeit übergeben. Dabei unterstrich Lenz die Wichtigkeit der Stadtteilbäder, die maßgeblich dafür verantwortlich seien, dass in Karlsruhe doppelt so viele Menschen die Schwimmbäder besuchten, wie in Städten mit vergleichbarer Einwohnerzahl. Die Investition in die neuen Duschen sei zudem ein Beleg dafür, dass es seitens der Stadt „keine Verlotterungsstrategie“ gäbe, um das Weiherhofbad schleichend zu schließen. Rund 600.000 Euro hat die Stadt in die Sanierung gesteckt, die Bauzeit betrug 17 Wochen. Oliver Sternagel, der Leiter der Bäderbetriebe, hob in seiner Rede die gute Zusammenarbeit der beteiligten Firmen hervor und betonte, dass auch viele Durlacher Handwerksbetriebe für die Sanierungsarbeiten gewonnen werden konnten. Auch Ortsvorsteherin Alexandra Ries zeigte sich begeistert von dem Umbau und dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz, der dieses „fantastische Ergebnis“ erst möglich gemacht habe. Ein besonderes Highlight sind die 3D-Lichteffekte in den Decken der Duschvorräume mit ihrem wechselnden, harmonisch abgestimmten Farbenspiel, die den Wellnesscharakter der von Architekt Björn Blindt entworfenen Sanitärbereiche betonen. Die Farbwechsel erfolgen automatisch, können aber auch manuell gesteuert werden. Der Eindruck der Dreidimensionalität wird durch den Einsatz eines speziellen schwarzen Textilgewebes in Kombination mit LED-Lichtpunkten erreicht. Erneuert wurden im Zuge der Renovierung nicht nur die maroden Duschen für Damen und Herren, sondern auch die Massageeinrichtung. Neu ist zudem ein großer Duschraum für Schulklassen.
FOTO V.l.n.r.: Oliver Sternagel (Leiter Bäderbetriebe), Alexandra Ries (Ortsvorsteherin), Dr. Martin Lenz (Bürgermeister),
Björn Blindt (Architekt)

Ein See für Durlach Das Stadtamt hat letzte Woche damit begonnen, in Durlach Fragebögen zum neuen Sport- und Freizeitpark in der Unteren Hub zu verteilen. Damit möchte die Verwaltung die Wünsche der Bürger hinsichtlich ihrer Sport- und Erholungsbedürfnisse in Erfahrung bringen, um diese im kommenden Planungsverfahren zu berücksichtigen. Wir vom Durlacher Blatt finden diesen frühen Einstieg in die Bürgerbeteiligung nicht nur vorbildlich, sondern fühlen uns vielmehr geradezu verpflichtet, an der Gestaltung dieses umfangreichen Bauprojektes aktiv mitzuarbeiten. Kurz: Wir haben uns Gedanken gemacht und eine Idee entwickelt, die nichts weniger zum Ziel hat, als die Lebensqualität aller Durlacher nachhaltig zu verbessern. Unser durchaus ernstgemeinter Vorschlag lautet nun, sie haben es bereits geahnt, denn so steht es in der Überschrift: Durlach braucht einen See. Warum? Erstens, weil wir keinen haben, zweitens, weil ein der Erholung dienender Park ohne das die Seele labende Urelement Wasser nur halb so erholsam ist und drittens, weil der Sport- und Freizeitpark, wenn er denn der Erholung dienen soll, einen Wall zum Schutz vor dem Lärm der nahegelegenen Autobahn braucht. Kein Mensch hat Lust auf Freiluftsport, wenn man statt der beruhigenden Ploppgeräusche von Tennisbällen nur den konstanten Lärmteppich des unablässig vorbeibrausenden Verkehrs hören kann. Man könnte einwenden, der letzte Punkt habe mit der Anlage eines Sees nichts zu tun, dabei ist es gerade der Lärmschutz, der den See erst möglich macht. Die Idee dahinter ist so einfach wie genial: Der beim Ausbaggern des Sees anfallende Aushub wird zur Aufschüttung des Walls genutzt. Auf diese Weise müsste kein Erdreich dazu gekauft oder auf langen Wegen in die Untere Hub transportiert werden, was nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch die Kosten auf ein Minimum reduziert. Als Vorbild für die Durlacher Wasserlandschaft könnte der See in der Günther-Klotz-Anlage dienen, der mit seiner Schilfbepflanzung und den befestigten Ufern sowohl naturnah als auch funktionell ist. Im Sommer kann man dort Spielzeugboote fahren und die Füße ins Wasser hängen lassen, im Winter auf dem See Schlittschuhlaufen oder Eishockey spielen. Damit wäre auch in der kalten Jahreszeit die Möglichkeit für regionalen Outdoor-Sport gegeben, was die Attraktivität des Sportparks deutlich erhöhen würde. Zudem könnte der See eine neue Heimat für Wasservögel, Fische und Amphibien werden, was wiederum den hiesigen Schulklassen die Möglichkeit bietet, die heimische Fauna in all ihrer Vielfalt „live“ zu erleben. Das ist angesichts der immer mehr zunehmenden Virtualisierung der Realität ein nicht zu unterschätzender Wissensvorteil. Natürlich wissen wir als Laien ohne fundierte Kenntnisse im Tiefbau und der Landschaftsarchitektur nicht, ob unsere Anregung so umgesetzt werden könnte, wie wir uns das vorstellen – kostengünstig und ohne großen Aufwand - aber das zu untersuchen, ist eine schöne Aufgabe für das Stadtplanungsamt und eine weitaus kreativere, als sich immer nur Gedanken über die Standorte von Blumenkübeln in Fußgängerzonen zu machen. Deshalb rufen wir der Verwaltung zu: Plant mal, unsere Idee liegt auf dem Tisch!

Spannende Geschichten um alte Häuser Gelbe Schilder erzählen von vergangenen Bewohnern und Nutzungen Eine kleine Sensation entdeckte Peter Guess bei seinen Recherchen vor knappe zwei Jahren. In der Zunftstraße lebte vor rund 250 Jahren ein gewisser Louis-Phillip Kolb, der aus Grötzingen kam und eine Witwe aus Durlach heiratete. Wie sich herausstellte, ist jener Kolb der Urur-Großvater des früheren französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle, und zog 1761 in das vom Hofgärtner Michael Dunke 1707 erbaute Haus mit der Nummer 9. Heute lebt in dem Anwesen Gerda Schneider, deren Eltern das Gebäude mit Hinterhaus 1921 erworben hatten. Auf ihre Initiative geht ein neues Projekt in der Durlacher Altstadt zurück. „Bei einem Nachtwächterrundgang berichtete ein kleines Mädchen namens Caroline von Häusern, die zu ihr sprachen“, erinnert sich Schneider. „Die Gebäude freuten sich über das große Interesse, fänden es aber schön, wenn entsprechende Schilder ihre Geschichte erzählen“ so der Bericht des Mädchens. Dieses Erlebnis nahm Schneider zum Anlaß, gemeinsam mit dem Historiker Peter Guess und Günter Malisius, Vorsitzender des Freundekreis Pfinzgaumuseum, das „Schilderprojekt“ ins Leben zu rufen. Am vergangenen Freitag war es nun nach langem intensiven Ringen soweit, und die ersten zehn ovalen, gelben Hinweisschilder konnten an die Hausbesitzer übergeben werden. Zunächst drohte das Projekt zu scheitern, denn die Stadtverwaltung in Karlsruhe hatte wenig Interesse an solchen Kennzeichnungen. Wer Gerda Schneider kennt, weiß allerdings, wie beharrlich sie sein kann. Im Stadtamt Durlach fand sie Unterstützung und schnell erklärten sich Grundstücksinhaber bereit, an der Aktion teilzunehmen. So erzählen nun die Hinweistafeln in der Durlacher Altstadt ihre ganz eigenen Geschichten und lassen die Besucherinnen und Besucher teilhaben an dem Wandel im Inneren und an den Fassaden in den letzten 300 Jahren. Sie erzählen vom großen Brand 1689 und dem Wiederaufbau als Modellhäuser mit der Giebelseite zur Straße. Sie berichten von der Nutzung als Stall für Tiere im Hinterhaus und von den Misttrögen an der Stadtmauer. Wer durch die Altstadt schlendert erfährt viel von den Bewohnern, ihren Handwerksbetrieben und von den zahlreichen Umbau- und Renovierungen der späteren Besitzer. „Schöne wäre es, wenn noch viele Hausbesitzer mitmachen würden und ein solches Schild bestellen“, fordert Schneider auf. Neben der Geschichte, die Peter Guess bei seinen Forschungen herausgefunden hat, ziert die Schilder auch das „Engele“. Dabei handelt es sich nicht um ein Wappen, sondern um eine sogenannte Amourette. „Diese Amourette ziert das Amulett und beschwört die Liebe zur Heimat“ ist dort über dem Baujahr und der Adresse zu lesen.
FOTO:Zehn Amulette mit Geschichten der über 300 Jahre alten Häuser in Durlach zieren seit kommender Woche Gebäude im Altstadtring. Die Initiatoren des Projektes Gerda Schneider, Peter Guess und Günter Malisius übergaben die Schilder an die Hausbesitzer.

Forschung und Obst – der Augustenberg
Am östlichen Fuß des Turmbergs liegt ein landwirtschaftlicher Betrieb, der auf eine über 300jährige Geschichte zurückblicken kann. Das ursprünglich als Rebgut und Wirtschaftsgarten angelegte Areal gehörte zur Grötzinger Augusta-Burg, dem Witwensitz von Gräfin von Holstein-Gottorp, der es auch seinen Namen verdankt: Augustenberg. Heute residieren dort die Agrarforscher des Landes Baden-Württemberg, bekannt ist der Augustenberg in Durlach aber vor allem als Verkaufsstätte von frischem Obst. Der erste wichtige Schritt hin zur landwirtschaftlichen Forschungsanstalt war der Erwerb des Augustenbergs durch Markgraf Wilhelm von Baden im Jahr 1825. Wilhelm galt als fortschrittlich und widmete sich nach Beendigung der napoleonischen Kriege intensiv der Verbesserung des Agrarwesens. Sowohl sein Gut in Rotenfels als auch der Augustenberg galten als Mustergüter mit Vorbildcharakter. Felder und Obstbäume wurden erstmals mit wissenschaftlicher Methodik angelegt und gepflanzt, um auch unter ungünstigen Wetterbedingungen hohe Erträge zu erwirtschaften. Damit hatte Wilhelm jene infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen, die es ermöglichen sollten, die in den Folgejahren in Karlsruhe gegründeten Schulen der verschiedenen landwirtschaftlichen Teilbereiche 1894 mit dem Gutsbetrieb zum regionalen Landwirtschaftsamt zu vereinen. Bereits 1907 wurde im Schatten des Turmbergs das erste Laborgebäude gebaut, zwei weitere folgten bis 1989, bevor schließlich 2007 durch die Zusammenführungen mit weiteren Agrarforschungsanstalten des Landes das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg in seiner jetzigen Form entstand. Weiter entwickelt hat sich im Lauf der Jahre auch die Zielsetzung der Agrarforschung. Ging es in den Anfangsjahren vorrangig um die Steigerung von Ernteerträgen und der Wirtschaftlichkeit in der Pflanzenproduktion, spielt seit den 1970er Jahren der Umwelt- und Verbraucherschutz eine immer größere Rolle. Diese Entwicklung spiegelt sich auch den vielfältigen Arbeitsfeldern wider, in denen das LTZ heute aktiv ist. Neben Untersuchungen von Saatgut, Pflanzen, Futtermitteln, Boden und Düngemitteln, der amtlichen Anerkennung von Saatgut und der Prüfung der Pflanzenqualität, gehören Forschungen zum Boden-, Wasser- und Klimaschutz zu den wichtigsten Aufgaben der Durlacher Agrarwissenschaftler. Bekannt ist der Augustenberg in erster Linie als Obstanbaugebiet. Dahinter steht der Obstbau Lehr- und Versuchsbetrieb, der im Auftrag des Landes neue Sorten auf Geschmack, Widerstandsfähigkeit und Ertrag prüft sowie zahlreichen Versuchen zum Pflanzenschutz unterzieht. Dazu gehört die systematische Analyse von Krankheitsbildern und Schädlingsbefall mit dem Ziel, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln möglichst zu minimieren. Die Schaffung neuer Sorten ist deshalb so wichtig, weil die klimatischen Bedingungen einem stetigen Wandel unterworfen sind. So können in der Rheinebene zahlreiche alte Apfelsorten entweder gar nicht mehr oder nur mit hohem finanziellen Einsatz angebaut werden, weil es ihnen aufgrund der Erderwärmung heute zu heiß geworden ist. Die Bäume müssten so aufwändig bewässert werden, dass es jeden Obstbauer, der versuchen würde sie im Markt zu halten, in den Ruin treiben würde. Die Fläche des Obstanbaus auf dem Augustenberg umfasst 15 Hektar. Die Vielzahl der dort angebauten Obstsorten ist beeindruckend: Es gibt u.a. 170 Apfel-, 40 Birnen-, 110 Zwetschgen- und 110 Kirschsorten, darunter solche, die noch nicht mal einen Namen haben. Die Durlacher, zumindest jene, die um die Qualität des Obsts vom Augustenberg wissen, freuen sich, können sie doch jedes Jahr neue, schmackhafte Sorten entdecken. Und weil die Früchte saisonal verkauft werden, sind sie immer erntefrisch, ein Qualitätsmerkmal, welches das Obst aus dem Supermarkt oft nicht bieten kann. Weitere Informationen rund um den Obstverkauf und zur Geschichte des LTZ finden Sie im Internet unter ltz-bw.de.

Die Turmbergterrasse ist jetzt Hotspot
Wer unterwegs viel mit dem Smartphone im Internet zu surft, weiß wie schnell das eigene Datenvolumen zusammenschmilzt. Und wer im Sommer gerne mit dem Laptop im Freien arbeitet, braucht normalerweise einen Surfstick. Nicht so in Durlach, wo es an stark frequentierten Plätzen wie dem Marktplatz und dem Saumarkt öffentliche und kostenlose WLan-Verbindungen gibt. Am letzten Mittwoch wurde nun ein weiterer Hotspot eingeweiht, und ein besonders attraktiver dazu: Die neue Turmbergterrasse. Ermöglicht wurde der neue Hotspot durch eine Kooperation der Firmen Telemaxx, IN*KA und CyberForum mit den Stadtwerken und den Verkehrsbetrieben. Nur drei Monaten vergingen von der Planung bis zur Realisierung, was angesichts der bis dato fehlenden Infrastruktur rekordverdächtig ist. So musste zunächst ein Glasfaserkabel auf dem Turmberg verlegt werden, um die nötigen Breitband-Kapazitäten zu schaffen. „Aber wenn man Mitarbeiter hat, die wirklich etwas wollen, dann schafft man das“ wie Ortsvorsteherin Ries erklärte. Der Hotspot auf dem Turmberg ist ein weiterer Mosaikstein in dem öffentlichen Wlan-Netz, das in Karlsruhe bereits an vielen Plätzen verfügbar ist. Und nicht nur in Karlsruhe: Wer sich registriert kann auch in Baden-Baden, Bretten und Bühl kostenlos surfen. Und wie funktioniert das kostenlose Surfen? Ganz einfach. Wer sich in Reichweite eines Hotspots befindet, muss sein Mobilgerät mit dem Netzwerk „KA-WLAN“ verbinden und eine Webseite aufrufen. Dann erscheint eine Eingabemaske, in die Name, Email, Adresse und Handynummer eingetragen werden müssen. Daraufhin erhält man eine SMS oder Email mit den Zugangsdaten und kann sich jederzeit kostenlos anmelden. Registrierte Nutzer haben übrigens die Wahl zwischen dem gesicherten Netzwerk S-KA-WLAN oder der ungesicherten Verbindung KA-WLAN. Für Durlach sind übrigens weitere Hotspots in der Planung: Hinzu kommen werden kurzfristig die Räume der Karlsburg sowie der Vorplatz bis zur Straßenbahn-Haltestelle.

LESERBRIEF
Amphibienschutz auf dem Turmberg
Seit Jahrzehnten beobachten wir die Amphibienpopulationen auf dem Turmberg. Hierbei handelt es sich um Erdkröten, Springfrösche, Grasfrösche, Bergmolche und Feuersalamander. In den letzten Jahren geraten diese Tiere immer mehr unter Zivilisationsdruck bedingt durch den stärker werdenden Autoverkehr und durch die Land- und Forstwirtschaft. Die Populationen der Arten werden instabiler und haben sich in den letzten 5 Jahren teilweise halbiert. Die seit über 30 Jahren bestehende Amphibienschutzgruppe auf dem Turmberg bemüht sich jedes Frühjahr während der Wanderungszeit der Tiere zu den Laichgewässern ein gefahrloses Überqueren der Straße zu ermöglichen. In diesem Frühjahr wurde das Einsammeln der Amphibien sehr erschwert. Durch die Baumaßnahmen an der Turmbergterrasse konnten wir zur Hauptwanderungszeit die Jean-Ritzert-Straße über den Turmberg nicht mehr sperren, so dass wir Tierschützer durch den starken Verkehr über die Rittnertstraße zumTurmberg extrem gefährdet waren. Selbst das Umweltamt Karlsruhe bat uns die Strecke nicht allein abzugehen, da das rücksichtslose Verhalten mancher Autofahrer, die den Turmberg als Rennstrecke benutzen, zu gefährlich sei. Viele Tiere wurden überfahren. Für uns ist es deshalb unverständlich, dass nach Beendigung der Baumaßnahmen am 07. April 15 keine Sperrung der Jean-Ritzert-Straße zur Hauptrückwanderung mehr möglich ist. Obwohl uns die Zusage gegeben wurde, hat man sie aus „rechtlichen Gründen“ wieder zurückgezogen. Die in vielen Jahren erarbeiteten Bemühungen der Helfer um den Artenschutz und damit auch von Flora und Fauna wurde mit einem Schlag zunichte gemacht! 2 oder 3 Abende hätten genügt! Aber das ist noch nicht alles! Weiterhin werden im Rittnertwald Baumfällarbeiten trotz Brutzeit und Amphibienwanderung auf der Karlsruher Seite durchgeführt. „Die Verträge müssen eingehalten werden!“, so wurde es uns mitgeteilt. Man fasst es nicht! Der letzte Punkt betrifft das Gewässer am Pfinztalpfortenweg in der Senke vor dem Hopfenberg. Das Bild spricht für sich. Baumstämme wurden nach dem Fällen rücksichtslos in den Teich abgelegt. Im Herbst 2014 wurde in Karlsruhe bei einem öffentlichen Vortrag behauptet: „Der Artenschutz hat in Karlsruhe immer Vorrang!“ In der Praxis merken wir davon wenig! Der Turmberg mit seinem Wald ist Naherholungsgebiet für den Menschen aber auch Lebensraum für die Tierwelt. Dafür gilt es sich einzusetzen! Berthold Schmidt und Brigitte Wortmann, Durlach Amphibienschutzgruppe Turmber

dm-Ansiedlung: SPD-Fraktion will Verkehrsanbindung über Durlacher Allee
Nach Informationen der SPD-Gemeinderatsfraktion erwägt die Stadtverwaltung eine Verkehrsanbindung der neuen dm-Konzernzentrale über die Johann-Strauß-Straße. Dies geht aus den Erläuterungen der Stadtverwaltung zum Aufstellungsbeschluss für den entsprechenden Bebauungsplan hervor. Aus der SPD-Gemeinderatsfraktion gibt es jetzt Kritik an den Plänen der Stadt. SPD-Stadtrat David Hermanns und der SPD-Fraktionsvorsitzende im Durlacher Ortschaftsrat Jan-Dirk Rausch betonen, dass die SPD weiter hinter der Ansiedlung der dm-Konzernzentrale steht: „dm gehört zu Karlsruhe. Wir brauchen solche erfolgreichen Unternehmen an unserem Standort und wollen das Projekt zügig realisieren. Die Stadtverwaltung muss dazu aber bei der Aufstellung des Bebauungsplans sicherstellen, dass die Anwohner in der Dornwald- und Untermühlsiedlung nicht die Leidtragenden des Projekts werden.“ Kern der SPD-Kritik ist die geplante Verkehrsanbindung des Areals, so David Hermanns: „Eine Zufahrt zum dm-Areal über die Johann-Strauß-Straße mit zusätzlichen 1500 Fahrzeugen pro Tag ist für die Bewohner der Dornwaldsiedlung nicht hinnehmbar. Wir fordern weiter eine direkte Anbindung des dm-Areals über die Durlacher Allee.“ Schon heute seien die Menschen in der Dornwaldsiedlung mit einer großen Lärmbelastung konfrontiert, so David Hermanns: „Derzeit gibt es in diesem Bereich nach Angaben der Stadtverwaltung Lärmbelastungen von bis zu 75 db. Die Dornwaldsiedlung braucht eine Entlastung vom Lärm und keine Mehrbelastung.“ Bereits im Jahr 2013 hatte sich die SPD-Fraktion für eine Verkehrsanbindung des dm-Areals über die Durlacher Allee stark gemacht, erläutert der planungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Michael Zeh: „Unsere Position ist, dass die Anwohner von der dm-Ansiedlung profitierten sollen. Die jetzt vorgelegten Pläne bedeuten das Gegenteil. Die Stadtverwaltung muss dringend eine Zu- und Abfahrt über die Durlacher Allee realisieren. Auch der barrierefreie Ausbau der Bahnhaltestelle ‚Untermühlstraße‘ muss im Zuge der dm-Ansiedlung angegangen werden.“ Der Bebauungsplan ist in der kommenden Woche Thema im Durlacher Ortschaftsrat. „Die SPD-Ortschaftsratsfraktion Durlach wird dem Bebauungsplan so lange nicht zustimmen, bis die Entlastung der Dornwald- und Untermühlsiedlung nicht geklärt ist“, kündigt Ortschaftsrat Jan-Dirk Rausch an.

Die Orgelhalle sollte abgerissen werden
Hanns-Wolfgang Voss konnte mit seiner Besetzung dies damals verhindern.

Rebellion ist meistens eine Sache von jungen Leuten. Manchmal ist sie politisch motiviert, in jedem Fall aber untrennbar mit der Abnabelung vom Elternhaus verbunden. Im Alter werden dann die früheren Ansicht relativiert, man wird milder, umgänglicher. Ein umgänglicher Mensch ist Wolfgang Voss auch (ein ausgesprochen netter dazu), ein Rebell ist der 75jährige aber geblieben. Man spürt, dass dieser Mann nichts tut, was er nicht tun will und das man diese Haltung respektieren sollte. Sein Maßstab sind dabei seine Überzeugungen, die, wie er mit entwaffnender Offenheit zugibt, von gesundem Egoismus geprägt sind. Mit Politik hätte er nichts am Hut, wenn er rebelliere, dann für sich. Dass radikaler Individualismus aber auch lokalpolitisch positive Folgen haben kann, haben die Durlacher Anfang der 1980er Jahre erfahren, als Wolfgang Voss die Orgelfabrik besetzte. Zuvor wohnte er mit seiner ersten Ehefrau, Tochter und Hund in der Pfalz in einem riesigen alten Landgasthof, den die Familie zum Spottpreis von 250 DM gemietet hatte. Voss, der in Karlsruhe Architektur studierte, arbeitete dort in seinem eigenen Atelier als Möbelbauer, auf die Architektur hatte er keine Lust mehr. „Ich habe schon als Junge gerne geschraubt und gebastelt, eigene Sache ausgetüftelt.“ Obwohl die Gegebenheiten in der Pfalz optimal waren, zogen dunkle Wolken in Form von privaten Turbulenzen am Himmel auf, die schließlich in der Trennung des Ehepaares kulminierten. Wolfgang Voss brauchte eine neue Wohnung. Günstig musste sie sein und genug Platz für ein Atelier sollte sie auch bieten. Das war selbst in der 80er Jahren, als der Wohnungsmarkt noch entspannter war, keine Kombination, die leicht zu finden war. Doch Voss hatte Glück. Ein Freund erzählte ihm von der Durlacher Malerin Cornelia Brugger , die in der Orgelfabrik ein Sommeratelier gemietet hatte, in dem Querfuge genannten Gebäudeteil im 2. Stock. Da gerade Herbst war, könne er da vorübergehend rein, Miete zahlen müsse er auch nicht. Voss nahm an, obwohl schnell klar war, dass diese Lösung auch Nachteile hatte. Es gab keine Heizung und der Winter war streng. „Ich habe mich warm angezogen, trotzdem konnte ich manchmal vor Kälte meine Werkzeuge nicht halten.“ Ungeklärt war auch, wie es im nächsten Jahr weitergehen sollte. Die eigentliche Mieterin würde zurückkehren, zudem spielte die damalige Besitzerin schon länger mit dem Gedanken, die Orgelfabrik zu verkaufen, was den Abriss bedeutet hätte. Für die meisten Menschen wären das Gründe genug gewesen, sich nach einer neuen Bleibe umzusehen, aber Wolfgang Voss schaltete einfach auf stur. Er hatte die ideale Räumlichkeit zum Leben und Arbeiten gefunden und er würde sie nicht wieder verlassen. Damit saß Voss mitten drin im damaligen Spannungsfeld aus Politik und privaten Investitionsplänen, das sich an den unterschiedlichen Nutzungsvorstellungen über die Zukunft der Orgelfabrik immer weiter auflud. Mehrfach wurde er zur Räumung aufgefordert, von der ehemaligen Besitzerin, von der Stadt, die die Orgelfabrik schließlich nach langen hin und her im Gemeinde- und Bezirksbeirat 1987 kaufte – Voss blieb und wurde immer mehr zu dem Sandkorn im Getriebe, dass zunächst alle Nutzungspläne mit vernehmlichen Knirschen zum Halten brachte. Aber auch nach dem Erwerb der Stadt schwebte immer noch das Damoklesschwert des Abriss über der Orgelfabrik. Wolfgang Voss ging an die Öffentlichkeit. Er ließ Flugblätter drucken, auf denen er seine Besetzung der Orgelfabrik erläuterte und fand nach und nach immer mehr Unterstützer. Trotzdem konnte ein Teilabriss nicht verhindert werden. Voss arbeitete in seinem Atelier, als plötzlich eine gewaltige Erschütterung das Gebäude erbeben ließ: Ein Nebengebäude fiel der Abrissbirne zum Opfer. Obwohl ein vollständiger Abriss kein Thema mehr war, kam schließlich für Wolfgang Voss die Zeit zum Auszug. Zum einen hatte er mit der Malerin Hannelore Lucke-Rausch eine neue Partnerin gefunden, zum anderen zeichnete sich eine Nutzung der Orgelfabrik als eigenständiges Kulturzentrum ab. Vielleicht fehlte Voss am Ende auch einfach der Widerstand von außen, um die Orgelfabrik weiter besetzt zu halten. Er hatte gekämpft und gesiegt, die Zeit war reif für neue Herausforderungen. Heute macht Wolfgang Voss immer noch das, was er seit jeher am liebsten macht: Sich „Dinge einfallen lassen und diese dann bauen“. Er hat ein stabiles Regalsystem entwickelt, dass ausschließlich aus schmalen Vierkantleisten besteht, einen Fahrradständer entwickelt (und erfolgreich vermarktet) sowie zahlreiche andere Design- und Wohnobjekte. In ihrer nicht-glattgebügelten Ursprünglichkeit sind Voss‘ Objekte genauso ehrlich, direkt und individuell wie ihr Erbauer und somit ein perfekter Ausdruck für sein unkonventionelles Denken. Rebellion ist manchmal eben auch Sache der Alten - und das ist gut so.

Unser Ortschaftsrat – Geschichte und Hintergründe zur Wahl

Das Durlacher Blatt berichtet regelmäßig über die Sitzungen des Ortschaftsrates. Aber was für ein Plenum ist der OR eigentlich genau? Welche Befugnisse hat er und wer sitzt darin? Rechtzeitig zur Kommunalwahl werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Ortschaftsräte oder Ortsbeiräte, wie sie in anderen Bundesländern genannt werden, wurden von den Gemeinden ursprünglich ins Leben gerufen, um die Interessen der Stadtteile gegenüber der zentralen Ortsverwaltung zu stärken. So müssen die Ortschaftsräte bei allen Entscheidungen, die „die Belange der Ortschaft (Stadtteil) ganz konkret tangieren“, vorher vom Gemeinderat gehört werden, ansonsten wären diese Beschlüsse nicht gültig. Das ist Ausdruck gesetzlich verankerter Bürgernähe, weil die Mitglieder des OR selber im Stadtteil wohnen und deshalb über die innerortlichen Entwicklungen, über Missstände und die Wünsche und Sorgen der Bürger in der Regel am besten informiert sind. In Baden-Württemberg gehen die Befugnisse der Ortschaftsräte zum Teil aber über eine beratende und vorschlagende Funktion hinaus. Wie weit die den Ortschaftsräten eingeräumten Entscheidungsbefugnisse sind, liegt im Ermessen der Gemeinderäte. In Karlsruhe können die Ortschäftsräte Sachentscheidungen treffen, die u.a. die Pflege des Ortsbildes, die Bereiche Kultur, Sport und Kinderhorte betreffen und die dem Unterhalt und der Ausgestaltung öffentlicher Parks, Straßen und Wasserläufe dienen. Die dazu nötigen finanziellen Mittel legt die Stadt in ihrem Haushalt fest, zugrunde gelegt wird dabei eine pro Kopf Pauschale von rund 16,60 Euro, was für Durlach mit seinen knapp 30.000 Einwohnern eine jährliche Investitionspauschale von 500.000 Euro ergibt. Mit dieser Summe hat die Politik in Durlach mittlerweile einen soliden Handlungsspielraum. Das war jedoch nicht immer so, denn mit der Zwangseingemeindung durch die Nazis 1938 wurde Durlach lange Zeit seiner politischen Eigenständigkeit beraubt. Bis 1989 wurde Durlach lediglich ein Bezirksbeirat zugestanden, während in den 1970 eingemeindeten Bergdörfern umgehend Ortschaftsräte initiiert wurden – eine weitere Demütigung von Karlsruhes größtem Stadtteil, die viele Bürger bis heute nicht vergessen haben. Der Durlacher Ortschaftsrat hat 22 Mitglieder, davon gehören aktuell jeweils sechs den Fraktionen von CDU und B90/Die Grünen an, fünf stellt die SPD-Fraktion, vier die FDP und eine Abgeordnete die Freien Wähler. Diese werden bei der Kommunalwahl direkt gewählt, wobei das Kommunalwahlrecht zwei Besonderheiten bereithält: Das Panaschieren und das Kumulieren. In diesen Begriffen spiegelt sich eine sehr direkte Form von Demokratie wider, weil die Wähler die Mitglieder des Ortschaftsrates personenbezogen wählen können, die 22 Stimmen also parteiübergreifend auf die verschiedenen Kandidaten verteilen („Panaschieren“) oder aber bis zu drei Stimmen auf einen Kandidaten vereinen können („Kumulieren“). Wie auch immer die Wähler sich entscheiden: Wichtig ist, dass im Durlacher Ortschaftsrat weiterhin so kontrovers und leidenschaftlich debattiert und auch gestritten wird, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: Das beste für Durlach und seine Einwohner.


Das Stadtamt Durlach
mit insgesamt 164 Mitarbeitern umfasst neben der Hauptverwaltung die Fachbereiche Jugend und Soziales, Gartenbau, Hochbau, das Bürgerbüro mit Pass-, Melde- und Standesamtswesen sowie die Friedhofsverwaltung. In einer Artikelserie wird das Durlacher Blatt die einzelnen Abteilungen vorstellen. Der erste Bericht beginnt mit der Hauptverwaltung Die Hauptaufgaben der Hauptverwaltung liegen in den Bereichen Finanzen, Personal, Kultur und der allgemeinen Verwaltung des Stadtamtes Durlach, wie zum Beispiel Vermietungen. Die Hauptverwaltung im engeren Sinne bilden acht Mitarbeiter, davon vier in Teilzeit. Organisatorisch sind noch die Hausmeister des Rathauses, der Weiherhalle und der Karlsburg sowie sämtliche Reinigungskräfte, der Hauptverwaltung angegliedert. So umfasst die Hauptverwaltung insgesamt 22 Mitarbeiter. Die Mitarbeiter der Hauptverwaltung verstehen sich als Dienstleister gegenüber dem Ortschaftsrat, den Kollegen des Stadtamtes und den Bürgern. Im Bereich der Finanzen wird der Finanzhaushalt des Stadtamtes Durlach bewirtschaftet, der als Teilhaushalt mit einem Volumen von rund einer halben Million Euro aus der Investitionspauschale in den Gesamthaushalt der Stadt Karlsruhe einfließt. Hinzu kommen noch Investitionen der Fachämter in Durlach von jeweils rund drei Millionen Euro pro Haushaltsjahr. Neben dem Finanzhaushalt gehört auch die Bewirtschaftung des Ergebnishaushaltes, der die ständig wiederkehrenden Ausgaben abbildet, zum Tagesgeschäft. Das Stadtamt Durlach verwaltet in diesem Bereich eigenverantwortlich ein Budget von rund 65 000 Euro pro Jahr. Der Geschäftsstelle des Ortschaftsrates obliegt die Vorbereitung der Ortschaftsrats- und Ausschusssitzungen, Kontaktaufnahme mit den Fachämtern, Terminkoordinationen, falls städtische Mitarbeiter zur Beantwortung ihrer Fragen zur Verfügung stehen müssen und der Protokolldienst, damit auch immer die gefassten Beschlüsse dokumentiert werden. Eine wichtige Aufgabe der Hauptverwaltung sind Vermietungen zu unterschiedlichen Anlässen in der Karlsburg, der Nikolauskapelle, des Zehntkellers, des Rathausgewölbes und für Trauungen der Bürgersaal. Hierbei ist man auf die stolze Zahl von insgesamt 334 Vermietungen gekommen. Im Jahr 2003 belief sich diese Zahl noch auf 167, was eine Steigerung von 50 Prozent innerhalb von zehn Jahren bedeutet. Dies ist in erster Linie dem Konzept „Service aus einer Hand“ zu verdanken. Außerdem müssen noch Veranstaltungen wie der Fastnachtsumzug, das Durlacher Altstadtfest, der mittelalterliche Weihnachtsmarkt, Klassik am Turm, Durlacher Vernissage, Kultursommer und Kerwe organisiert werden oder zusammen mit Vereinen oder Trägern der Veranstaltungen auf die Beine gestellt werden. Hinzu kommen Kunstausstellungen im Rathaus und der Weihnachtsmarkt der Hobbykünstler.

 

 

 
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