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Ausgabe 1.12.16


 Ausgabe 24.11.16


Ausgabe 10.11.16

 
 

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Die Pfinz lebt
Über die Herkunft des Namens von Durlachs einzigem Gewässer gibt es unterschiedliche Vermutungen. Eine lautet, dass sich der Name Pfinz aus dem indogermanischen ableitet und Schlammbach bedeutet. Ein reißender Strom war die Pfinz also offenbar nie, aber ein verschlammtes Rinnsal ist sie heute auch nicht mehr. Das liegt nicht zuletzt an der ehrenamtlichen Arbeit der Mitglieder des „1. Anglervereins Durlach von 1923“, die auf Durlacher Gemarkung die Pfinz „hegen und pflegen“, wie der Vorsitzende des Vereins, Hans-Peter Postweiler, erklärt. Insgesamt sei der Zustand der Pfinz gut, so Postweiler weiter. „Die Artenvielfalt ist in den letzten Jahren gleich geblieben. Aber wir müssen der Natur immer wieder nachhelfen.“ Dazu gehört, jedes Jahr zwischen 6.000 und 8.000 junge Bachforellen einzusetzen. Das klingt nach viel, relativiert sich aber schnell, wenn man berücksichtigt, dass den Forellen dank der in den letzten Jahren entstandenen Fischtreppen ein Biotop von 15 Kilometern Länge zur Verfügung steht. Zudem gibt es mit dem Komoran einen Freßfeind, der den Bestand der Jungforellen so stark dezimiert, dass nur rund 2000 Fische pro Jahr überleben. Verbessert habe sich in den letzten Jahren die Wasserqualität der Pfinz. „Die früher oft zu beobachtende Schaumbildung ist deutlich zurückgegangen“ sagt Hans-Peter Postweiler. Das bedeutet, dass heute weniger in Waschmittelrückständen enthaltene Phosphate in das Wasser gelangen. Phosphate seien aber nicht nur schlecht, wie Postweiler erläutert, denn sie würden das Pflanzenwachstum und das Gedeihen von Kleinstlebewesen fördern. In der Pfinz profitiere vor allem das Sternkraut davon, zudem gäbe es 2 bis 3 unterschiedliche Wasserfloharten. „Die Wasserqualität liegt aktuell bei 2 bis 3“ bilanziert Postweiler, „wobei 1 Bergbachqualität bedeutet und 10 minderwertiges Wasser.“ Dennoch ist Hans-Peter Postweiler nicht zufrieden. Sorge bereitet ihm nach wie vor der Kanutourismus auf der Pfinz zwischen der Bogenbrücke an der Pforzheimer Straße und dem Industriegebiet Hagsfeld. Dieser Abschnitt wurde 1984 von den Mitgliedern des Anglervereins in unentgeltlicher Arbeit als Schutzgebiet für die Tier- und Pflanzenwelt renaturiert. Seit vier Jahren wird dieses nur 1,5 Kilometer lange Biotop jedoch durch die immer stärker wachsende Zahl an kommerziellen Kanutouren unnötigen Belastungen ausgesetzt, obwohl vier von sechs seit 2012 vom Regierungspräsidium in Auftrag gegebenen Gutachten empfehlen, das Befahren dieses Abschnitts generell zu verbieten. Das RP verweist jedoch auf den Gemeingebrauch, der es allen Bürgen erlaube, öffentliche Gewässer zu befahren. Das ist grundsätzlich richtig, jedoch kann der Gemeingebrauch durchaus widerrufen werden, sollte es dafür Gründe wie etwa zu erwartende Schäden an der Natur geben. „Das RP Stuttgart hat das in vergleichbaren Fällen auch so entschieden“ erklärt Hans-Peter Postweiler. In Karlsruhe stelle man aber offenbar den Kommerz über den Naturschutz. Als Folge davon seien 2016 nun mehr fünf Anbieter von Kanutouren auf der Pfinz unterwegs gewesen. Besonders pikant: Zwei Anbieter kommen aus Regionen, in denen das RP Stuttgart das Befahren der lokaler Flußabschnitte untersagt hat. Aufgeben kommt für Hans-Peter Postweiler trotzdem nicht in Frage. Er und die Mitglieder der Anglervereins werden „ihre“ Pfinz weiter „hegen und pflegen“. Vielleicht wächst dann ja auch irgendwann im hiesigen Regierungspräsidium die Einsicht, dass Naturschutz ein höheres Gut ist, als sich hinter Gemeingebrauch versteckende kommerzielle Interessen. Das wäre ein Gewinn für alle Durlacher.

Gehwegparken – notwendig oder ein Ärgernis?
Wie viele im Mittelalter entstandene Städte hat Durlach ein Problem: Straßen und Bürgersteige sind eng und schmal und nicht für den heutigen Straßenverkehr ausgelegt. Besonders angespannt ist die Parksituation, weshalb es an vielen Stellen in Durlach toleriert wird, halb auf dem Gehweg zu parken, sofern ein mindestens 1,20 Meter breiter Streifen für die Fußgänger frei bleibt. Diese Regelung ist zwar nicht von der Straßenverkehrsordnung gedeckt, wurde aber bisher in ganz Karlsruhe praktiziert. Damit ist das Parkplatzproblem aber keinesfalls gelöst. Besonders in Aue und im Altstadtbereich gibt es zahlreiche Gehwege, die so schmal sind, dass es unmöglich ist, dort zu parken und gleichzeitig die vorgeschriebene Restbreite frei zu lassen. Die PKW ganz auf der Straße abzustellen ist nur eine Alternative, wenn man bereit ist, einen Verkehrsinfarkt in Kauf zu nehmen. Für die damalige Rot-Grüne Landesregierung gab es vor allem eine Lösung für das Problem: Die Autos aus den Innenstädten zu verbannen und die Rechte der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer zu stärken. Dazu sollten die Vorgaben der StVO zum Gehwegparken konsequent angewendet und der in vielen Kommunen üblichen Tolerierungspraxis ein Riegel vorgeschoben werden. Zwar steht in der StVO nirgendwo der Satz, das Parken auf Gehwegen sei grundsätzlich verboten, laut Verwaltungsvorschrift darf das Gehwegparken aber nur erlaubt werden, „wenn genügend Platz für den unbehinderten Verkehr von Fußgängern gegebenenfalls mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrern auch im Begegnungsverkehr bleibt, die Gehwege und die darunter liegenden Leitungen durch die parkenden Fahrzeuge nicht beschädigt werden können und der Zugang zu Leitungen nicht beeinträchtigt werden kann.“ Weil aber nach den gültigen Richtlinien des Straßenbaus ein Gehweg, auf dem Parken genehmigt werden kann, mindestens 2,20 m breit sein muss, würden die Pläne der Landesregierung den Wegfall von zahlreichen und dringend benötigten Parkflächen in Durlach bedeuten. Ansprechpartner für die Landesregierung zur Umsetzung der Vorschriften waren die kommunalen Bürgervereine. Diese sollten Vorschläge machen, welche Parkplätze wegfallen könnten, auch in Durlach. „Wir waren von Anfang an gegen den Abbau von Parkmöglichkeiten und haben uns geweigert“ sagt Christian Sturm, der 1. Vorsitzende der „Bürgergemeinschaft Durlach und Aue“. Gänzlich vom Tisch sind die Pläne aus Stuttgart deshalb aber noch nicht, sie werden in Durlach aber zumindest kurzfristig nicht realisiert. „2017 gibt es in Karlsruhe drei Pilotprojekte, darunter Knielingen und die Nordweststadt“ so Christian Sturm weiter. „Dann werden sechs oder sieben andere Stadtteile folgen. Für Durlach gibt es aber bisher noch nicht mal Studien darüber, welche Parkflächen wegfallen könnten.“ Die Situation scheint unlösbar zu sein: Durlachs Infrastruktur ist wie sie ist und wäre ohne weitgehende Eingriffe in das historische Stadtbild nicht an die moderne Verkehrssituation anpassbar. Das will aber aus gutem Grund niemand. Genauso wenig wollen die meisten Menschen aber auf ihr Auto verzichten und es dort abstellen können, wo sie wohnen oder arbeiten. Das ist verständlich, genauso wie der Wunsch der Fußgänger, Gehwege ungehindert nutzen zu können. Hier ist von allen Seiten Kompromißbereitschaft gefragt und eine Politik, die mit Fingerspitzengefühl agiert. Vorschriften umzusetzen, die zu dauerhaftem Unfrieden führen, reicht jedenfalls nicht aus.

Neuer Lernbereich in der Stadtteilbibliothek eröffnet
In Ruhe lernen, gemeinsam mit anderen Hausaufgaben machen oder online mit dem Laptop arbeiten – der neue Lernbereich in der Durlacher Stadtteilbibliothek macht das möglich. Eröffnet wurde der Lernbereich am 24. Oktober, dem Tag der Bibliotheken, im Rahmen einer kleinen Feier von Ortsvorsteherin Alexandra Ries und der Leiterin der Karlsruher Bibliotheken, Andrea Krieg. In ihrer Begrüßungsrede betonte Andrea Krieg, wie wichtig es sei, die Aufenthaltsqualität in Büchereien zu steigern. „Bibliotheken befinden sich im Wandel und werden immer mehr von Ausleihorten zu Aufenthaltsorten. Sie sind urdemokratische Einrichtungen, die Menschen aller Generationen besuchen können, um sich weiterzubilden.“ Die Gestaltung des Lernbereiches trägt diesem Wandel Rechnung. Rote Sofas mit hohen Rückenlehnen wirken einladend und bieten gleichzeitig einen geschützten Raum zum Arbeiten und Lernen. Die Tische sind mit ihren weichen Formen und Aussparungen optimal für Gruppenarbeiten geeignet. Ein großes Bücherregal mit Lernhilfen aus allen Fachrichtungen und das kostenlos verfügbare KA-Wlan runden den Bereich perfekt ab. Eine weitere Neuigkeit ist der Wechsel an der Spitze der Durlacher Bibliothek. Ruth Schneider heißt die neue Leiterin, die die Elternzeitvertretung für Naemi Graf übernommen hat. Zuvor war Ruth Schneider in der Stadtteilbibliothek in Mühlburg beschäftigt. „Ich habe aber schon einen langen Weg hinter mir.“ In Durlach fühlt sie sich wohl: „Durlach ist sehr intensiv. Das gefällt mir.“ Dazu trägt auch das Gebäude bei, in dem Ruth Schneider arbeitet: „Ich finde es toll, dass die Bibliothek in der Karlsburg untergebracht ist. Damit wird eine lange kulturelle Tradition weitergeführt.“ Der neue Lernbereich befindet sich im ersten Stock der Bibliothek ist ab sofort für jung und alt zugänglich.

Durlacher Altstadt ist ein Denkmal
Was die Durlacher schon immer gewusst haben, ist nun offiziell: Die Altstadt ist nicht nur schön, sondern auch erhaltenswert. Zu diesem Ergebnis kommt der „Denkmalpflegerische Werteplan zur Gesamtanlage ‚Altstadt Durlach‘“, den Vertreter der Landesdenkmalpflege am 20. September an Ortsvorsteherin Ries übergeben haben. Erstellt hat den 436-seitigen Plan die Kunsthistorikerin Dr. Annegret Kaiser. Wochenlang ist sie durch die Durlacher Altstadt gelaufen und hat akribisch jede Straße und jedes Gebäude auf ihren historischen Wert hin untersucht. Das Ergebnis: In Stadtkern gibt es 441 erhaltenswerte und als Denkmal einzustufende Gebäude, was bedeutet, dass die gesamte Altstadt als Denkmal angesehen werden muss. Damit ist die Durlacher Altstadt nach dem Gutenbergplatz die zweite Gesamtanlage in Karlsruhe, die zur Gänze unter dem Schutz der Denkmalpflege steht. Die in dem Plan enthaltenen Gebäude, Anlagen und Straßen sind in drei Kategorien eingeteilt. Als „Kulturdenkmale“ - also Objekte, die Zeugnis einer Kultur ablegen und deren besonderer historischer Wert von öffentlichem Interesse ist - gelten jene, die kurz nach dem großen Brand von 1689 oder davor entstanden sind. Als „erhaltenswert“ werden die Objekte eingestuft, deren äußerliche Erscheinung historisch ist, die aber aufgrund von Umbauten über nicht mehr genug alte Bausubstanz verfügen, um als Denkmal zu gelten. Da die Altstadt aber als Gesamtanlage als Denkmal angesehen wird, sind diese Unterscheidungen für Besitzer alter Gebäude irrelevant: Jegliche Änderungen beim äußeren Erscheinungsbild von Gebäuden in der Anlage „unterliegen dem Genehmigungsvorbehalt der Denkmalschutzbehörden“, wie es so schön im Amtsdeutsch heißt. Renovierungen und Sanierungen solcher Gebäude sind deshalb besonders kosten- und zeitintensiv. Das zeigt sich aktuell am „Gasthaus zum Weinberg“ am Saumarkt, jenem 1708 errichteten Gebäude, das bis vor einigen Jahren Heimat des „Dolce Vita“ war. Wie das Durlacher Blatt bereits 2014 berichtete, wollte Investor Mostafa Khodarahm die Bauarbeiten bis Mitte 2015 abschließen, die Schwierigkeiten begannen jedoch bereits im Vorfeld der eigentlichen Sanierung. Ein bauhistorisches Gutachten stellte fest, dass sowohl das alte Holzfachwerk als auch das Dach marode sind. Es folgten Analysen der historischen Farben, der im Bau verwendeten Holzarten und des Grundrisses, bis endlich der Antrag auf konkrete Baumaßnahmen gestellt werden konnte. Und auch die hatten es in sich. Die Gestaltung der Fenster und Holzläden erfolgte nach historischen Vorbildern, ebenso die der Fassade mit Sandsteingewänden. Aber wie gut die Vorbereitungen auch sein mögen, bei historischen Gebäuden müssen Bauherren immer mit Überraschungen rechnen. Auch am Saumarkt gab es Verzögerungen, aus Sommer 2015 wurde Sommer 2016. Gut ein Jahr nach dem avisierten Plan ist das „Gasthaus zum Weinberg“ nun fertig, lediglich die Frage, wann denn die Gastronomie wieder öffnet, ist noch nicht ganz geklärt. Sicherlich wird das „Gasthaus zum Weinberg“ nicht das letzte historische Gebäude sein, das saniert werden muss. Wenn in Durlach die alte Bausubstanz erhalten bleiben soll, wird man auch zukünftig auf Investoren wie Mostafa Khodarahm angewiesen sein – Investoren, die sich des Wertes der Denkmalpflege bewusst sind, die Gebäude nicht nur nach ihren finanziellen, sondern vor allem nach ihren historischen und identifikationsstiftenden Werten beurteilen. Jetzt bleibt nur noch die Frage zu klären, wann die Durlacher am Saumarkt wieder italienisches Essen genießen können.

Hölzerne Wasserrohre aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gefunden
Im September letzten Jahres stießen Bauarbeiter in der Durlacher Marstallstraße beim Verlegen neuer Gas- und Wasserleitungen auf zwei relativ gut erhaltene hölzerne Rohre. Günter Baumann, Bauleiter der Stadtwerke Netzservice-Gesellschaft, vermutete, dass es sich dabei um alte, historisch wertvolle hölzerne Wasserleitungen handeln könnte, da er ähnliche Rohre von Abbildungen in der Chronik der Karlsruher Wasserversorgung kannte. Nach einer ersten Begutachtung durch Experten des Pfinzgaumuseums wurden die beiden Rohre ins Wasserwerk Durlacher Wald gebracht und ein drochronologisches Gutachten über das tatsächliche Alter der Rohre eingeholt. „Die beiden gefundenen Leitungsstücke sind tatsächlich von großer stadthistorischer Bedeutung. Die Kiefer, aus denen die Leitungsstücke hergestellt wurden, wurde im Winter 1640/41 gefällt, also während des Dreißigjährigen Krieges“, berichtet Dr. Ferdinand Leikam, Mitarbeiter des Stadtarchivs und derzeit Leiter des Pfinzgaumuseums in Durlach. Verbaut wurden die Rohre vermutlich nach dem Ende des Krieges, als in Durlach eine wirtschaft­li­che und kulturelle Blütezeit begann. Da die Stadt Durlach 1689 fast vollständig zerstört wurde, existieren heute nur sehr wenige Zeugnisse aus den Jahren zuvor, in denen Durlach die Residenzstadt der Markgrafschaft Baden-Durlach war. Vergleichbar alte und zugleich vergleichbar gut erhaltene Leitungsstücke aus Durlach waren bislang nicht bekannt. „Die Rohre sind überdies ein Beweis dafür, dass die Durlacher schon seit dem späten Mittelalter Wasser von den natürlichen Quellen am Fuß des Geigersberges mit hölzernen Rohren – so genannten Deichelrohren – in die Stadt leiteten, um sie mit fließendem Wasser zu versorgen. Sie gehören ins Pfinzgaumuseum, damit die Bevölkerung sie besichtigen kann. Daher haben wir sie dem Museum per Schenkung überlassen“, berichtet Prof. Matthias Maier, Leiter des Bereichs Trinkwasserversorgung bei den Stadtwerken Karlsruhe. Bevor die Rohre im Museum ausgestellt werden können, müssen sie aufwändig restauriert werden, damit sie für die Nachwelt erhalten werden. Das ist die Aufgabe von Lucie Selb, einer anerkannten Fachfrau für Objektrestaurierungen, die auch in Durlach arbeitet. Sie hat die Rohre inzwischen gereinigt und wird sie nun durch eine kontrollierte Lufttrocknung vor dem Zerfall retten. „Für ihr Alter sind die Leitungen in einem sehr guten Erhaltungszustand“, erläutert die Restauratorin. Die Kosten für die Restaurierung übernehmen der Freundeskreis Pfinzgaumuseum und die Stadtwerke Karlsruhe je zur Hälfte. „Mit der professionellen Restaurierung und der Übernahme der Objekte durch das Pfinzgaumuseum wird sichergestellt, dass diese wichtigen Zeugnisse der Durlacher Geschichte dauerhaft erhalten bleiben“, so Günther Malisius, Vorsitzender des Freundeskreises Pfinzgaumuseum.

Leserbrief
Insektenfreundliche Pflanzen werden abgemäht
Ich bin als Berufsimker im Karlsruher Stadtteil Durlach-Aue tätig und möchte Sie auf die großflächige Problematik der Grünflächenpflege in Karlsruhe und Umgebung hinweisen. Um nicht unnötig weit auszuholen, hier die wichtigsten Stichpunkte: • Die Mahd der Grünflächen in und um Karlsruhe wird, wenn es um die Nahrung für Insekten geht, zum falschen Zeitpunkt ausgeführt. Wenn genauer hingeschaut wird, betrifft dies nicht nur einige wenige Bezirke, sondern Alle. Hier muss bemerkt werden, dass die Tulpen, die zum Stadtgeburtstag gepflanzt wurden, bei der Mahd säuberlich ausgegrenzt werden, während die wirklich insektenfreundlichen Pflanzen abgemäht werden, und dies Jahr für Jahr. • Steinklee, Luzerne, Rot- und Weißklee und Löwenzahn – um nur einige zu nennen – sind für Bienen, Wildbienen, Käfer und Schmetterlinge eine unglaublich wichtige Nahrungsquelle. Diese Trachtpflanzen sind heimisch, wachsen auf den Grünstreifen und sind auch für den Laien zu erkennen. Durch den, nach meiner Meinung nach, falschen Zeitpunkt der Mahd, werden diese Pflanzen vor der Blüte oder sogar noch schlimmer während der Blühphase abgemäht. Eine natürliche Vermehrung dieser Pflanzen wird so stark gehemmt oder komplett verhindert. Bei den Mähvorgängen während der Blütezeit, zum Beispiel von Rot- und Weißklee, kommen auch viele Blütenbesucher – hauptsächlich Hummeln – unters Schneidemesser. Wie bereits oben vermerkt, werden Tulpen, die keine Trachtpflanzen sind, bei der Mahd ausgespart. • Durch meine Bienenpopulation der Imkerei BieVital (mehrere Bienenvölker an verschiedenen Standplätzen) und die extern von mir betreuten Bienenvölker in und um Karlsruhe, kann ich faktisch nachweisen , dass etwa ein bis zwei Tage nach einer großflächig angelegten Mahd, der Nektarstrom im Bienenvolk abreißt. Die kurze Hungerphase beträgt mehrere Tage und ist für die vom Menschen betreuten Bienenvölker zwar nicht tödlich, da der Imker eine so genannte Notfütterung im Extremfall vornehmen kann, die Hungerphase ist für die Entwicklung gesunder Bienenvölker aber dennoch nicht förderlich. Wildbienen, Hummeln und andere wichtige Insekten, können nicht so schnell auf andere nahrungsbringende Flächen umsteigen, da sie nicht im Kollektiv arbeiten. Sie verhungern dann zum Großteil. • Hummeln, Wildbienen und Co. stehen nicht umsonst unter Naturschutz, bzw. sogar unter Artenschutz, denn sie erhalten unser Ökosystem. Aus diesem Grund sollten blühende Grünstreifen während der Blühphase nicht gemäht werden. Dies wäre ein wichtiger Beitrag zum Natur- und Umweltschutz. • Dass Grünstreifen nicht so einfach in Blühstreifen umgewandelt werden können, wie es sich einige Bürger und Initiativen wünschen, sollte klar sein: Der Kosten- und Risikofaktor wäre zu hoch. Hier muss ich ein Lob aussprechen, swnn Karlsruhe hat tatsächlich recht viele Blühstreifen angesetzt. Allerdings gibt es in den Randbezirken nur sehr wenige solcher Blühstreifen. Meiner Meinung nach müssten dort die Landwirte und die Anwohner mehr Verantwortung übernehmen und für entsprechende Pflanzen in den Gärten und auf den Balkonen sorgen. • Die Mahd öffentlicher Grünstreifen liegt jedoch in städtischer/kommunaler Verwaltung und die Verantwortung ist hier wesentlich höher. Wenn Wiesen, Wegeränder, Wassergräben, Grünstreifen, Wegränder etc. während einer Blütezeit gemäht werden, bedeutet dies hektarweise Nahrungsmangel für wichtige Lebewesen in unserem Ökosystem. Hier kann noch einiges verbessert werden: - Wichtige Trachtpflanzen (z.B. Klee, Löwenzahn, Luzerne usw.) größtenteils bei der Mahd aussparen und erst nach der Blüte abmähen. Bei einem großflächigen Blütenteppich - Mahd auf spätereren Zeitpunkt verlegen. Diese Vorgehensweise wäre umweltgerecht, kostensparend und würde als Vorbild für die Bevölkerung wirken. - Neben den Linden könnten auch wichtige Nektar- und Pollen spendende Bäume gesetzt werden. (z.B. Bienenbaum, Götterbaum, Edelkastanie, Goldregen usw.). Solche Bäume sind nicht nur wichtig für die Bienen & Co., sie sehen auch gut aus und duften. Wichtig ist es, auf Spätblüher zu achten, da sie für unser Ökosystem sehr wichtig sind. - Das Personal zur Mahd sollte dringend geschult werden, was wichtige Trachtzpflanzen angeht. Dann würde auch das giftige und invasive Jakobskreuzkraut entfernt werden, anstatt wichtigem Steinklee. Anmerkung: Pyrrolizidinalkaloide, die von dieser Pflanze produziert werden, sind auch im Honig nachweisbar und sind toxisch bei Einnahme oder Hautkontakt. Die Eindämmung dieser Pflanze ist absolut relevant für Landwirte und Imker. Zudem wird es in der Bevölkerung teils mit dem Johanniskraut verwechselt, aus dem Tinkturen hergestellt werden.

Pestalozzischule Durlach und Schule am Turmberg erhalten
gemeinsame Talent Company
Neue Wege in die Berufsorientierung Erfolgreiche Brücken zwischen Schule und Wirtschaft bauen: Dieses Ziel verfolgt das bundesweite Talent Company-Konzept der Strahlemann-Stiftung (Heppenheim/ Hessen), das sich bereits in sechs Bundesländern bewährt. Nun erhält auch Durlach eine Talent Company – und gleich zwei Schulen mit ihren Schülern profitieren davon: Die Pestalozzischule und die Schule am Turmberg werden die Einrichtung gemeinsam nutzen. Realisiert wird das Erfolgskonzept in den kommenden Monaten in Räumen der Pestalozzischule. Am Montag, 11. April, erhielten die Schulen das positive Resultat in Form der Förderzusage über 50.000 Euro, nun starten Umbauten und im September 2016 soll die Talent Company ihre Pforten öffnen. Die Schulleiter Klaus Kühn (Pestalozzischule - Grund- und Werkrealschule) und Claudia Krämer (Schule am Turmberg - SBBZ Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum Förderschwerpunkt Lernen) gaben im Zuge der Projektzusage bekannt, künftig im Bereich der Berufsorientierung im Interesse ihrer Schüler noch enger zu kooperieren. Schon heute nimmt die Begleitung der Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf großen Raum ein – die Talent Company gibt nun die Möglichkeiten, die Schüler noch individueller und zielgerichteter zu betreuen. Sie können künftig in der Talent Company direkt in Kontakt mit möglichen Arbeitgebern treten und sich über verschiedenste Berufsbilder sowie Ausbildungswege informieren. Zugleich können die Unternehmen dem spürbaren Fachkräftemangel entgegenwirken und frühzeitig die Talente von morgen erkennen und fördern. „Jungen Menschen Wertschätzung zu geben, gerade in diesem wichtigen Lebensabschnitt beim Übergang von der Schule in den Beruf, ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Dafür steht die Talent Company“, so Strahlemann-Geschäftsführer Andreas Link. Möglich wird das Gemeinschaftsprojekt der beiden Durlacher Schulen nicht zuletzt dank einer großzügigen Unterstützung durch die Dr. Willmar Schwabe Unternehmensgruppe, die sich im Rahmen des 150-jährigen Jubiläums vor Ort für Bildung engagiert. Die Unternehmensgruppe Dr. Willmar Schwabe ist weltweit führend in der Erforschung, Entwicklung und Herstellung pflanzlicher und homöopathischer Arzneimittel sowie Nahrungsergänzungsmittel. 1866 in Leipzig gegründet, beschäftigt die Unternehmensgruppe heute rund 3.500 Mitarbeiter, davon rund 1.400 in Deutschland. Sitz der Zentrale ist Karlsruhe.

Die Alte Bach wurde verlegt
Mit Fließgewässern ist Durlach nicht gerade reich gesegnet. Natürlich, es gibt die Pfinz, die auf ihrer 60 Kilometer langen Reise vom Nordschwarzwald hin zum Rhein auch die hiesige Gemarkung durchquert, aber sonst? Selbst manche Ur-Durlacher kommen bei dieser Frage ins Grübeln. Kein Wunder also, dass ein anderes Fließgewässer nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit in den letzten Wochen in seinem Lauf verändert werden konnte. Die Rede ist von die Alte Bach, den nicht nur wegen seiner geringen Größe kaum jemand kennt, sondern vor allem deshalb, weil er in Durlach weitgehend unterirdisch fließt. Die ungewöhnliche Bezeichnung mit dem weiblichen Artikel ist historisch begründet. In der ersten urkundlichen Erwähnung 1535 wurde das Rinnsal als „die allt bach“ bezeichnet. Zu dieser Zeit lag der Ursprung des Bachs in der Kinzig-Murg-Rinne zwischen Durlach und Rintheim. Im 17. Jahrhundert wurde die Alte Bach zur Trockenlegung der dortigen Sümpfe als Entwässerungsgraben ausgebaut. Weitere Entwässerungsmaßnahmen führten 1960 zur Anbindung an den Tiefentalgraben und schließlich zur amtlichen Verortung der Quelle in das Gebiet nördlich von Grünwettersbach. Von dort fließt der Bach durch Hohenwettersbach zu einem Hochwasserrückhaltebecken beim Zündhütle und weiter unterirdisch durch Durlach, um erst in der Untermühlsiedlung im nördlichen Teil der Pfarrer-Blink-Straße wieder aufzutauchen. So war es zumindest bis vor einigen Wochen, denn im Zuge der Bauarbeiten zur dm-Zentrale musste die Alte Bach umgeleitet werden. Floss er zuvor quer unter dem dm-Gelände östlich der Alten Karlsruher Straße hindurch, tritt er nun direkt unterhalb der Durlacher Allee ans Tageslicht und wird überirdisch an der Rückseite der Grundstücke der südlichen Pfarrer-Blink-Straße entlang geführt. Dann verschwindet er wieder kurzzeitig in der Erde, um im weiteren Verlauf parallel mit der Pfinz Richtung Autobahn zu fließen. Kurz darauf trennen sich die Flüsse, die Pfinz sprudelt weiter in Richtung Storenacker, die Alte Bach in Richtung Elfmorgenbruch. Die Maßnahme, die Alte Bach an der südlichen Pfarrer-Blink-Straße oberirdisch fließen zu lassen, hat bautechnische Gründe. Voraussetzung für die Bebauung des Areals ist ein sicheres Fundament, was nur mit der Verlegung des Baches zu gewährleisten ist. Diese ist aber auch Ausdruck einer möglichst naturnahen Umsetzung des Bauvorhabens, was von Beginn an einer der Grundlage der Planungen war. So erhalten die Anwohner zwar kein neues Naherholungsgebiet, aber doch ein kleines Stück Spazierweg, das ökologisch gestaltet, zum Bummeln einlädt.

Planverfahren für den Neubau des Anna-Leimbach-Hauses eröffnet
An dem Standort des Anna-Leimbach-Hauses wird ein neues Pflegeheim entstehen. Das geht aus dem Vorhaben bezogenen Bebauungsplan für das Areal zwischen Blumentor- und Pfinzstraße hervor, den das Stadtplanungsamt letzte Woche im Bürgersaal der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Bereits im Frühjahr 2017 soll laut Aussage des neuen Trägers, der AWO, mit dem Abriss der alten Gebäude begonnen werden, die Fertigstellung ist für Ende 2018 geplant. Im Neubau sollen sowohl Pflegeplätze, als auch Wohnungen für betreutes Wohnen entstehen. Der noch bestehende Kindergarten bleibt in das Areal integriert und wird ebenfalls neue Räumlichkeiten beziehen: Im Plan vorgesehen ist der Bau eines dreistöckigen Pavillons im rückwärtigen Teil des 4700 Quadratmeter großen Grundstücks. Nach Vorgabe des neuen Landesheimbauordnung steht jedem Bewohner zukünftig ein Einzelzimmer mit eigenem Sanitärbereich zur Verfügung, Küche und Garten sollen zur Förderung der sozialen Kontakte gemeinschaftlich genutzt werden. Der Neubau bietet Platz für sieben Wohngruppen mit jeweils 12 Bewohnern, zudem entstehen 10 Zweizimmerwohnungen für Betreutes Wohnen. Die Umsetzung der neuen Heimordnung war in dem alten Gebäude aufgrund der maroden Bausubstanz nicht möglich, zudem wäre es mit halbierter Bewohnerzahl nicht rentabel zu bewirtschaften gewesen. Für den ursprünglichen Betreiber, die Caritas, waren das die ausschlaggebenden Gründe für die Schließung des Anna-Leimbach-Hauses, zumal zum damaligen Zeitpunkt auch kein Investor in Sicht war, der die finanzielle Belastung abgefedert hätte. Der AWO ist es nun gelungen, die WLH-GmbH mit ins Boot zu holen, so dass mit der Neugestaltung des Areals Durlach zwei wichtige Pflege- und Betreuungsangebote erhalten bleiben, deren Schließung von den anderen hiesigen Einrichtungen nicht hätte kompensiert werden können. Zwar bezweifelte niemand während der öffentlichen Anhörung die Notwendigkeit des Neubaus, Kritik gab es aber trotzdem. Die entzündete sich vor allem an den Bauplänen des verantwortlichen Architekturbüros. Die Gestaltung der Fassade wirke abweisend und passe nicht zu den Nachbargebäuden, zudem würde durch die geringe Zahl an Parkplätzen der Bring- und Abholverkehr zum und vom Kindergarten für Verkehrsprobleme sorgen. Diese Einwände werden im Zuge des Planverfahrens gesammelt, ebenso weitere, die jeder Bürger vorbringen kann. Die Pläne sind noch eine Woche lang auf der Webseite der Stadt Karlsruhe einsehbar, die dort eingehenden Kritikpunkte können dann in den Bebauungsplan einfließen. Nach passieren des Gemeinderates wird dieser dann erneut vier Wochen lang ausliegen, und auch während dieser Zeit können noch Einwände gemacht werden. Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt, was mit den Flüchtlingen passieren wird, die aktuell im Anna-Leimbach-Haus untergebracht sind. Der landesweit einzigartige Schutzraum für Schwangere und schwer traumatisierte Asylbewerber soll fortgeführt werden, ein neuer Standort ist bisher aber nicht gefunden worden.

Tradition und Innovation – die Grötzingerin Susanne Merzdorf baut Cembali
Susanne Merzdorf hat viel zu tun in diesen Tagen. Vier in ihrer Werkstatt gefertigte Cembali sind bei den Händel-Tagen im Einsatz und müssen regelmäßig neu gestimmt werden. Dazu wird sie gleich selbst nach Karlsruhe fahren, obwohl in Remchingen genug Arbeit wartet: Ein Cembalo nach italienischer Bauart wird gerade für den Versand nach Augsburg vorbereitet, ein anderes Modell ist halbfertig und Susanne Merzdorf müsste eigentlich die Details der Tastenführung überprüfen und nachbearbeiten. Und dann wartet da noch ein Spinett eines Kunden auf seine Restaurierung. Von Stress oder Ungeduld ist bei der Grötzinger Cembalobaumeisterin trotzdem nichts zu spüren, Instrumentenbau ist eben eine Kunst, die Zeit, Sorgfalt und Leidenschaft braucht. Im Falle der Merzdorfs kommt noch eine gute Portion Forschergeist dazu, neben den anderen Ingredienzien ein Grund für die fast 90jährige erfolgreiche Geschichte des Familienbetriebes. Diese beginnt in Sachsen. 1926 baute Walter Merzdorf, ein Instrumentenhändler, sein erstes Clavichord, ein Tasteninstrument bei dem im Gegensatz zum Cembalo die Saiten nicht mit einem Plektrum oder Kiel angerissen, sondern mit einem schmalen Metallplättchen angeschlagen werden. 1949 verlegt Walter Merzdorf den Firmensitz nach Grötzingen. Der Betrieb baut mittlerweile auch Cembali, Virginale und Spinette, später erweitern Hammerklaviere das Programm. 1969 erfolgt der Umzug in die heute noch bestehenden Räumlichkeiten in Remchingen. Vorbilder für die Merzdorf-Cembali sind alte Instrumente, die jedoch seit Ende der 1980er Jahre mit Hilfe von Grundlagenforschung klanglich optimiert werden. Dazu kooperierte Eckehard Merzdorf, der den Betrieb 1970 von seinem Vater Walter übernahm, mit dem Institut für angewandte Physik in Karlsruhe und konnte anhand der sogenannten Modalanalyse gezielte Verbesserungen an den Resonanzböden seiner Cembali vornehmen. Weitere Forschungen dienten der Verbesserung der Statik der Instrumente mit dem Ziel, die fragile Innenkonstruktion so gut wie möglich zu stabilisieren, um ohne Abstriche bei der Klangentfaltung die Stimmung möglichst lange zu halten. Diese Mischung aus Innovation und traditionellem Handwerk ist maßgeblich für die Qualität der Merzdorf Instrumente. Die Baupläne für die Cembali stammen von Original-Instrumenten, sind diese nicht aufzutreiben, zerlegt Susanne Merzdorf auch schon mal ein Instrument zum Maßnehmen in seine Einzelteile. Verwendet werden in der Regel fünf bis sechs verschiedene Holzarten, vorwiegend aus dem Schwarzwald, es sei denn, der Kunde hat andere Wünsche. Dann ist wieder Geduld gefragt, denn 350 bis 400 Arbeitsstunden werden nötig sein, bevor das Instrument seinem neuen Besitzer übergeben werden kann. Das alles hat natürlich seinen Preis. Zwischen 14.000 und 30.000 Euro, je nach Ausführung, kostet ein Merzdorf-Cembalo. Der Kundenkreis ist deshalb nicht nur aufgrund der Seltenheit der Cembali überschaubar. Fünf Instrumente werden pro Jahr verkauft (dazu kommen Servicearbeiten wie Restaurationen und Reparaturen), an musikalische Institutionen wie die Musikhochschule in Budapest, aber auch an Berufsmusiker und gut betuchte Amateure. Heute leitet Susanne Merzdorf die Firma in dritter Generation. Dass sie es sein würde, die den Betrieb weiterführt, hat sich früh abgezeichnet. Seit ihrer Kindheit spielt sie selbst Cembalo und hat zudem – im Gegensatz zu ihren älteren Schwestern – die Liebe des Vaters zum Instrumentenbau geerbt. Der arbeitet nach wie vor im Betrieb, die Weitergabe der Handwerkskunst wird so als ein beständiger und lebendiger Prozess praktiziert. Und das auch in der Zukunft, denn Susanne Merzdorfs 16jährige Nichte arbeitet ebenfalls im Betrieb und hat, ganz im Sinne der Merzdorfschen Familientradition, eine Lehre begonnen. Natürlich als Cembalobauerin.

Hohenwettersbacher Pappelallee als „landschaftsprägende Allee“ geschützt
Antwort der Landesregierung auf kleine Anfrage fällt dennoch nicht durchweg positiv aus/Kenntnis der Gegebenheiten in Stuttgart offenbar nur begrenzt vorhanden. Erfreut über die Tatsache, dass die Hohenwettersbacher Pappelallee durch das neue Naturschutzgesetz als landschaftsprägende Allee (§ 14 Abs.1 Ziffer 7 NatSchG) geschützt ist, zeigen sich unisono die SPD/BL-Ortschaftsräte und der Landtagsabgeordnete Johannes Stober. Erstaunt zeigen sich die Ortschaftsräte und der Abgeordnete allerdings über die anschließende Aussage, nach der auch eine aus Winterlinden bestehende Allee die gleiche Wirkung entfalten könnte. „Über diese Aussage kann ich nur den Kopf schütteln“, so Stober. Schließlich sei die Hohenwettersbacher Pappelallee ja gerade deshalb so prägend, weil es sich eben um schlanke hohe Pappeln und nicht um irgendwelche anderen Bäume handle. Offenbar sei daher die notwendige Kenntnis über die Gegebenheiten vor Ort bei den Zuständigen im Regierungspräsidium Stuttgart nur begrenzt vorhanden, so der Abgeordnete. Einig sind sich beide auch im weiteren Vorgehen: „Wir wünschen uns Gespräche mit der Stadt, um doch noch einen gemeinsamen Weg zur Erhaltung der Pappelallee zu finden“, beteuert Fraktionsvorsitzender Detlef Kamlah für die Hohenwettersbacher. „Wir wollen die Pappelallee als beliebtes Ausflugsziel und weithin sichtbares Wahrzeichen für ganz Karlsruhe erhalten und sehen keinen Grund, warum das nicht gehen soll“, fügt Ortsvorsteherin Elke Ernemann hinzu.



Ein See für Durlach Das Stadtamt hat letzte Woche damit begonnen, in Durlach Fragebögen zum neuen Sport- und Freizeitpark in der Unteren Hub zu verteilen. Damit möchte die Verwaltung die Wünsche der Bürger hinsichtlich ihrer Sport- und Erholungsbedürfnisse in Erfahrung bringen, um diese im kommenden Planungsverfahren zu berücksichtigen. Wir vom Durlacher Blatt finden diesen frühen Einstieg in die Bürgerbeteiligung nicht nur vorbildlich, sondern fühlen uns vielmehr geradezu verpflichtet, an der Gestaltung dieses umfangreichen Bauprojektes aktiv mitzuarbeiten. Kurz: Wir haben uns Gedanken gemacht und eine Idee entwickelt, die nichts weniger zum Ziel hat, als die Lebensqualität aller Durlacher nachhaltig zu verbessern. Unser durchaus ernstgemeinter Vorschlag lautet nun, sie haben es bereits geahnt, denn so steht es in der Überschrift: Durlach braucht einen See. Warum? Erstens, weil wir keinen haben, zweitens, weil ein der Erholung dienender Park ohne das die Seele labende Urelement Wasser nur halb so erholsam ist und drittens, weil der Sport- und Freizeitpark, wenn er denn der Erholung dienen soll, einen Wall zum Schutz vor dem Lärm der nahegelegenen Autobahn braucht. Kein Mensch hat Lust auf Freiluftsport, wenn man statt der beruhigenden Ploppgeräusche von Tennisbällen nur den konstanten Lärmteppich des unablässig vorbeibrausenden Verkehrs hören kann. Man könnte einwenden, der letzte Punkt habe mit der Anlage eines Sees nichts zu tun, dabei ist es gerade der Lärmschutz, der den See erst möglich macht. Die Idee dahinter ist so einfach wie genial: Der beim Ausbaggern des Sees anfallende Aushub wird zur Aufschüttung des Walls genutzt. Auf diese Weise müsste kein Erdreich dazu gekauft oder auf langen Wegen in die Untere Hub transportiert werden, was nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch die Kosten auf ein Minimum reduziert. Als Vorbild für die Durlacher Wasserlandschaft könnte der See in der Günther-Klotz-Anlage dienen, der mit seiner Schilfbepflanzung und den befestigten Ufern sowohl naturnah als auch funktionell ist. Im Sommer kann man dort Spielzeugboote fahren und die Füße ins Wasser hängen lassen, im Winter auf dem See Schlittschuhlaufen oder Eishockey spielen. Damit wäre auch in der kalten Jahreszeit die Möglichkeit für regionalen Outdoor-Sport gegeben, was die Attraktivität des Sportparks deutlich erhöhen würde. Zudem könnte der See eine neue Heimat für Wasservögel, Fische und Amphibien werden, was wiederum den hiesigen Schulklassen die Möglichkeit bietet, die heimische Fauna in all ihrer Vielfalt „live“ zu erleben. Das ist angesichts der immer mehr zunehmenden Virtualisierung der Realität ein nicht zu unterschätzender Wissensvorteil. Natürlich wissen wir als Laien ohne fundierte Kenntnisse im Tiefbau und der Landschaftsarchitektur nicht, ob unsere Anregung so umgesetzt werden könnte, wie wir uns das vorstellen – kostengünstig und ohne großen Aufwand - aber das zu untersuchen, ist eine schöne Aufgabe für das Stadtplanungsamt und eine weitaus kreativere, als sich immer nur Gedanken über die Standorte von Blumenkübeln in Fußgängerzonen zu machen. Deshalb rufen wir der Verwaltung zu: Plant mal, unsere Idee liegt auf dem Tisch!

Spannende Geschichten um alte Häuser Gelbe Schilder erzählen von vergangenen Bewohnern und Nutzungen Eine kleine Sensation entdeckte Peter Guess bei seinen Recherchen vor knappe zwei Jahren. In der Zunftstraße lebte vor rund 250 Jahren ein gewisser Louis-Phillip Kolb, der aus Grötzingen kam und eine Witwe aus Durlach heiratete. Wie sich herausstellte, ist jener Kolb der Urur-Großvater des früheren französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle, und zog 1761 in das vom Hofgärtner Michael Dunke 1707 erbaute Haus mit der Nummer 9. Heute lebt in dem Anwesen Gerda Schneider, deren Eltern das Gebäude mit Hinterhaus 1921 erworben hatten. Auf ihre Initiative geht ein neues Projekt in der Durlacher Altstadt zurück. „Bei einem Nachtwächterrundgang berichtete ein kleines Mädchen namens Caroline von Häusern, die zu ihr sprachen“, erinnert sich Schneider. „Die Gebäude freuten sich über das große Interesse, fänden es aber schön, wenn entsprechende Schilder ihre Geschichte erzählen“ so der Bericht des Mädchens. Dieses Erlebnis nahm Schneider zum Anlaß, gemeinsam mit dem Historiker Peter Guess und Günter Malisius, Vorsitzender des Freundekreis Pfinzgaumuseum, das „Schilderprojekt“ ins Leben zu rufen. Am vergangenen Freitag war es nun nach langem intensiven Ringen soweit, und die ersten zehn ovalen, gelben Hinweisschilder konnten an die Hausbesitzer übergeben werden. Zunächst drohte das Projekt zu scheitern, denn die Stadtverwaltung in Karlsruhe hatte wenig Interesse an solchen Kennzeichnungen. Wer Gerda Schneider kennt, weiß allerdings, wie beharrlich sie sein kann. Im Stadtamt Durlach fand sie Unterstützung und schnell erklärten sich Grundstücksinhaber bereit, an der Aktion teilzunehmen. So erzählen nun die Hinweistafeln in der Durlacher Altstadt ihre ganz eigenen Geschichten und lassen die Besucherinnen und Besucher teilhaben an dem Wandel im Inneren und an den Fassaden in den letzten 300 Jahren. Sie erzählen vom großen Brand 1689 und dem Wiederaufbau als Modellhäuser mit der Giebelseite zur Straße. Sie berichten von der Nutzung als Stall für Tiere im Hinterhaus und von den Misttrögen an der Stadtmauer. Wer durch die Altstadt schlendert erfährt viel von den Bewohnern, ihren Handwerksbetrieben und von den zahlreichen Umbau- und Renovierungen der späteren Besitzer. „Schöne wäre es, wenn noch viele Hausbesitzer mitmachen würden und ein solches Schild bestellen“, fordert Schneider auf. Neben der Geschichte, die Peter Guess bei seinen Forschungen herausgefunden hat, ziert die Schilder auch das „Engele“. Dabei handelt es sich nicht um ein Wappen, sondern um eine sogenannte Amourette. „Diese Amourette ziert das Amulett und beschwört die Liebe zur Heimat“ ist dort über dem Baujahr und der Adresse zu lesen.
FOTO:Zehn Amulette mit Geschichten der über 300 Jahre alten Häuser in Durlach zieren seit kommender Woche Gebäude im Altstadtring. Die Initiatoren des Projektes Gerda Schneider, Peter Guess und Günter Malisius übergaben die Schilder an die Hausbesitzer.

Forschung und Obst – der Augustenberg
Am östlichen Fuß des Turmbergs liegt ein landwirtschaftlicher Betrieb, der auf eine über 300jährige Geschichte zurückblicken kann. Das ursprünglich als Rebgut und Wirtschaftsgarten angelegte Areal gehörte zur Grötzinger Augusta-Burg, dem Witwensitz von Gräfin von Holstein-Gottorp, der es auch seinen Namen verdankt: Augustenberg. Heute residieren dort die Agrarforscher des Landes Baden-Württemberg, bekannt ist der Augustenberg in Durlach aber vor allem als Verkaufsstätte von frischem Obst. Der erste wichtige Schritt hin zur landwirtschaftlichen Forschungsanstalt war der Erwerb des Augustenbergs durch Markgraf Wilhelm von Baden im Jahr 1825. Wilhelm galt als fortschrittlich und widmete sich nach Beendigung der napoleonischen Kriege intensiv der Verbesserung des Agrarwesens. Sowohl sein Gut in Rotenfels als auch der Augustenberg galten als Mustergüter mit Vorbildcharakter. Felder und Obstbäume wurden erstmals mit wissenschaftlicher Methodik angelegt und gepflanzt, um auch unter ungünstigen Wetterbedingungen hohe Erträge zu erwirtschaften. Damit hatte Wilhelm jene infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen, die es ermöglichen sollten, die in den Folgejahren in Karlsruhe gegründeten Schulen der verschiedenen landwirtschaftlichen Teilbereiche 1894 mit dem Gutsbetrieb zum regionalen Landwirtschaftsamt zu vereinen. Bereits 1907 wurde im Schatten des Turmbergs das erste Laborgebäude gebaut, zwei weitere folgten bis 1989, bevor schließlich 2007 durch die Zusammenführungen mit weiteren Agrarforschungsanstalten des Landes das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg in seiner jetzigen Form entstand. Weiter entwickelt hat sich im Lauf der Jahre auch die Zielsetzung der Agrarforschung. Ging es in den Anfangsjahren vorrangig um die Steigerung von Ernteerträgen und der Wirtschaftlichkeit in der Pflanzenproduktion, spielt seit den 1970er Jahren der Umwelt- und Verbraucherschutz eine immer größere Rolle. Diese Entwicklung spiegelt sich auch den vielfältigen Arbeitsfeldern wider, in denen das LTZ heute aktiv ist. Neben Untersuchungen von Saatgut, Pflanzen, Futtermitteln, Boden und Düngemitteln, der amtlichen Anerkennung von Saatgut und der Prüfung der Pflanzenqualität, gehören Forschungen zum Boden-, Wasser- und Klimaschutz zu den wichtigsten Aufgaben der Durlacher Agrarwissenschaftler. Bekannt ist der Augustenberg in erster Linie als Obstanbaugebiet. Dahinter steht der Obstbau Lehr- und Versuchsbetrieb, der im Auftrag des Landes neue Sorten auf Geschmack, Widerstandsfähigkeit und Ertrag prüft sowie zahlreichen Versuchen zum Pflanzenschutz unterzieht. Dazu gehört die systematische Analyse von Krankheitsbildern und Schädlingsbefall mit dem Ziel, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln möglichst zu minimieren. Die Schaffung neuer Sorten ist deshalb so wichtig, weil die klimatischen Bedingungen einem stetigen Wandel unterworfen sind. So können in der Rheinebene zahlreiche alte Apfelsorten entweder gar nicht mehr oder nur mit hohem finanziellen Einsatz angebaut werden, weil es ihnen aufgrund der Erderwärmung heute zu heiß geworden ist. Die Bäume müssten so aufwändig bewässert werden, dass es jeden Obstbauer, der versuchen würde sie im Markt zu halten, in den Ruin treiben würde. Die Fläche des Obstanbaus auf dem Augustenberg umfasst 15 Hektar. Die Vielzahl der dort angebauten Obstsorten ist beeindruckend: Es gibt u.a. 170 Apfel-, 40 Birnen-, 110 Zwetschgen- und 110 Kirschsorten, darunter solche, die noch nicht mal einen Namen haben. Die Durlacher, zumindest jene, die um die Qualität des Obsts vom Augustenberg wissen, freuen sich, können sie doch jedes Jahr neue, schmackhafte Sorten entdecken. Und weil die Früchte saisonal verkauft werden, sind sie immer erntefrisch, ein Qualitätsmerkmal, welches das Obst aus dem Supermarkt oft nicht bieten kann. Weitere Informationen rund um den Obstverkauf und zur Geschichte des LTZ finden Sie im Internet unter ltz-bw.de.

Die Turmbergterrasse ist jetzt Hotspot
Wer unterwegs viel mit dem Smartphone im Internet zu surft, weiß wie schnell das eigene Datenvolumen zusammenschmilzt. Und wer im Sommer gerne mit dem Laptop im Freien arbeitet, braucht normalerweise einen Surfstick. Nicht so in Durlach, wo es an stark frequentierten Plätzen wie dem Marktplatz und dem Saumarkt öffentliche und kostenlose WLan-Verbindungen gibt. Am letzten Mittwoch wurde nun ein weiterer Hotspot eingeweiht, und ein besonders attraktiver dazu: Die neue Turmbergterrasse. Ermöglicht wurde der neue Hotspot durch eine Kooperation der Firmen Telemaxx, IN*KA und CyberForum mit den Stadtwerken und den Verkehrsbetrieben. Nur drei Monaten vergingen von der Planung bis zur Realisierung, was angesichts der bis dato fehlenden Infrastruktur rekordverdächtig ist. So musste zunächst ein Glasfaserkabel auf dem Turmberg verlegt werden, um die nötigen Breitband-Kapazitäten zu schaffen. „Aber wenn man Mitarbeiter hat, die wirklich etwas wollen, dann schafft man das“ wie Ortsvorsteherin Ries erklärte. Der Hotspot auf dem Turmberg ist ein weiterer Mosaikstein in dem öffentlichen Wlan-Netz, das in Karlsruhe bereits an vielen Plätzen verfügbar ist. Und nicht nur in Karlsruhe: Wer sich registriert kann auch in Baden-Baden, Bretten und Bühl kostenlos surfen. Und wie funktioniert das kostenlose Surfen? Ganz einfach. Wer sich in Reichweite eines Hotspots befindet, muss sein Mobilgerät mit dem Netzwerk „KA-WLAN“ verbinden und eine Webseite aufrufen. Dann erscheint eine Eingabemaske, in die Name, Email, Adresse und Handynummer eingetragen werden müssen. Daraufhin erhält man eine SMS oder Email mit den Zugangsdaten und kann sich jederzeit kostenlos anmelden. Registrierte Nutzer haben übrigens die Wahl zwischen dem gesicherten Netzwerk S-KA-WLAN oder der ungesicherten Verbindung KA-WLAN. Für Durlach sind übrigens weitere Hotspots in der Planung: Hinzu kommen werden kurzfristig die Räume der Karlsburg sowie der Vorplatz bis zur Straßenbahn-Haltestelle.

Die Orgelhalle sollte abgerissen werden
Hanns-Wolfgang Voss konnte mit seiner Besetzung dies damals verhindern.

Rebellion ist meistens eine Sache von jungen Leuten. Manchmal ist sie politisch motiviert, in jedem Fall aber untrennbar mit der Abnabelung vom Elternhaus verbunden. Im Alter werden dann die früheren Ansicht relativiert, man wird milder, umgänglicher. Ein umgänglicher Mensch ist Wolfgang Voss auch (ein ausgesprochen netter dazu), ein Rebell ist der 75jährige aber geblieben. Man spürt, dass dieser Mann nichts tut, was er nicht tun will und das man diese Haltung respektieren sollte. Sein Maßstab sind dabei seine Überzeugungen, die, wie er mit entwaffnender Offenheit zugibt, von gesundem Egoismus geprägt sind. Mit Politik hätte er nichts am Hut, wenn er rebelliere, dann für sich. Dass radikaler Individualismus aber auch lokalpolitisch positive Folgen haben kann, haben die Durlacher Anfang der 1980er Jahre erfahren, als Wolfgang Voss die Orgelfabrik besetzte. Zuvor wohnte er mit seiner ersten Ehefrau, Tochter und Hund in der Pfalz in einem riesigen alten Landgasthof, den die Familie zum Spottpreis von 250 DM gemietet hatte. Voss, der in Karlsruhe Architektur studierte, arbeitete dort in seinem eigenen Atelier als Möbelbauer, auf die Architektur hatte er keine Lust mehr. „Ich habe schon als Junge gerne geschraubt und gebastelt, eigene Sache ausgetüftelt.“ Obwohl die Gegebenheiten in der Pfalz optimal waren, zogen dunkle Wolken in Form von privaten Turbulenzen am Himmel auf, die schließlich in der Trennung des Ehepaares kulminierten. Wolfgang Voss brauchte eine neue Wohnung. Günstig musste sie sein und genug Platz für ein Atelier sollte sie auch bieten. Das war selbst in der 80er Jahren, als der Wohnungsmarkt noch entspannter war, keine Kombination, die leicht zu finden war. Doch Voss hatte Glück. Ein Freund erzählte ihm von der Durlacher Malerin Cornelia Brugger , die in der Orgelfabrik ein Sommeratelier gemietet hatte, in dem Querfuge genannten Gebäudeteil im 2. Stock. Da gerade Herbst war, könne er da vorübergehend rein, Miete zahlen müsse er auch nicht. Voss nahm an, obwohl schnell klar war, dass diese Lösung auch Nachteile hatte. Es gab keine Heizung und der Winter war streng. „Ich habe mich warm angezogen, trotzdem konnte ich manchmal vor Kälte meine Werkzeuge nicht halten.“ Ungeklärt war auch, wie es im nächsten Jahr weitergehen sollte. Die eigentliche Mieterin würde zurückkehren, zudem spielte die damalige Besitzerin schon länger mit dem Gedanken, die Orgelfabrik zu verkaufen, was den Abriss bedeutet hätte. Für die meisten Menschen wären das Gründe genug gewesen, sich nach einer neuen Bleibe umzusehen, aber Wolfgang Voss schaltete einfach auf stur. Er hatte die ideale Räumlichkeit zum Leben und Arbeiten gefunden und er würde sie nicht wieder verlassen. Damit saß Voss mitten drin im damaligen Spannungsfeld aus Politik und privaten Investitionsplänen, das sich an den unterschiedlichen Nutzungsvorstellungen über die Zukunft der Orgelfabrik immer weiter auflud. Mehrfach wurde er zur Räumung aufgefordert, von der ehemaligen Besitzerin, von der Stadt, die die Orgelfabrik schließlich nach langen hin und her im Gemeinde- und Bezirksbeirat 1987 kaufte – Voss blieb und wurde immer mehr zu dem Sandkorn im Getriebe, dass zunächst alle Nutzungspläne mit vernehmlichen Knirschen zum Halten brachte. Aber auch nach dem Erwerb der Stadt schwebte immer noch das Damoklesschwert des Abriss über der Orgelfabrik. Wolfgang Voss ging an die Öffentlichkeit. Er ließ Flugblätter drucken, auf denen er seine Besetzung der Orgelfabrik erläuterte und fand nach und nach immer mehr Unterstützer. Trotzdem konnte ein Teilabriss nicht verhindert werden. Voss arbeitete in seinem Atelier, als plötzlich eine gewaltige Erschütterung das Gebäude erbeben ließ: Ein Nebengebäude fiel der Abrissbirne zum Opfer. Obwohl ein vollständiger Abriss kein Thema mehr war, kam schließlich für Wolfgang Voss die Zeit zum Auszug. Zum einen hatte er mit der Malerin Hannelore Lucke-Rausch eine neue Partnerin gefunden, zum anderen zeichnete sich eine Nutzung der Orgelfabrik als eigenständiges Kulturzentrum ab. Vielleicht fehlte Voss am Ende auch einfach der Widerstand von außen, um die Orgelfabrik weiter besetzt zu halten. Er hatte gekämpft und gesiegt, die Zeit war reif für neue Herausforderungen. Heute macht Wolfgang Voss immer noch das, was er seit jeher am liebsten macht: Sich „Dinge einfallen lassen und diese dann bauen“. Er hat ein stabiles Regalsystem entwickelt, dass ausschließlich aus schmalen Vierkantleisten besteht, einen Fahrradständer entwickelt (und erfolgreich vermarktet) sowie zahlreiche andere Design- und Wohnobjekte. In ihrer nicht-glattgebügelten Ursprünglichkeit sind Voss‘ Objekte genauso ehrlich, direkt und individuell wie ihr Erbauer und somit ein perfekter Ausdruck für sein unkonventionelles Denken. Rebellion ist manchmal eben auch Sache der Alten - und das ist gut so.

Unser Ortschaftsrat – Geschichte und Hintergründe zur Wahl

Das Durlacher Blatt berichtet regelmäßig über die Sitzungen des Ortschaftsrates. Aber was für ein Plenum ist der OR eigentlich genau? Welche Befugnisse hat er und wer sitzt darin? Rechtzeitig zur Kommunalwahl werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Ortschaftsräte oder Ortsbeiräte, wie sie in anderen Bundesländern genannt werden, wurden von den Gemeinden ursprünglich ins Leben gerufen, um die Interessen der Stadtteile gegenüber der zentralen Ortsverwaltung zu stärken. So müssen die Ortschaftsräte bei allen Entscheidungen, die „die Belange der Ortschaft (Stadtteil) ganz konkret tangieren“, vorher vom Gemeinderat gehört werden, ansonsten wären diese Beschlüsse nicht gültig. Das ist Ausdruck gesetzlich verankerter Bürgernähe, weil die Mitglieder des OR selber im Stadtteil wohnen und deshalb über die innerortlichen Entwicklungen, über Missstände und die Wünsche und Sorgen der Bürger in der Regel am besten informiert sind. In Baden-Württemberg gehen die Befugnisse der Ortschaftsräte zum Teil aber über eine beratende und vorschlagende Funktion hinaus. Wie weit die den Ortschaftsräten eingeräumten Entscheidungsbefugnisse sind, liegt im Ermessen der Gemeinderäte. In Karlsruhe können die Ortschäftsräte Sachentscheidungen treffen, die u.a. die Pflege des Ortsbildes, die Bereiche Kultur, Sport und Kinderhorte betreffen und die dem Unterhalt und der Ausgestaltung öffentlicher Parks, Straßen und Wasserläufe dienen. Die dazu nötigen finanziellen Mittel legt die Stadt in ihrem Haushalt fest, zugrunde gelegt wird dabei eine pro Kopf Pauschale von rund 16,60 Euro, was für Durlach mit seinen knapp 30.000 Einwohnern eine jährliche Investitionspauschale von 500.000 Euro ergibt. Mit dieser Summe hat die Politik in Durlach mittlerweile einen soliden Handlungsspielraum. Das war jedoch nicht immer so, denn mit der Zwangseingemeindung durch die Nazis 1938 wurde Durlach lange Zeit seiner politischen Eigenständigkeit beraubt. Bis 1989 wurde Durlach lediglich ein Bezirksbeirat zugestanden, während in den 1970 eingemeindeten Bergdörfern umgehend Ortschaftsräte initiiert wurden – eine weitere Demütigung von Karlsruhes größtem Stadtteil, die viele Bürger bis heute nicht vergessen haben. Der Durlacher Ortschaftsrat hat 22 Mitglieder, davon gehören aktuell jeweils sechs den Fraktionen von CDU und B90/Die Grünen an, fünf stellt die SPD-Fraktion, vier die FDP und eine Abgeordnete die Freien Wähler. Diese werden bei der Kommunalwahl direkt gewählt, wobei das Kommunalwahlrecht zwei Besonderheiten bereithält: Das Panaschieren und das Kumulieren. In diesen Begriffen spiegelt sich eine sehr direkte Form von Demokratie wider, weil die Wähler die Mitglieder des Ortschaftsrates personenbezogen wählen können, die 22 Stimmen also parteiübergreifend auf die verschiedenen Kandidaten verteilen („Panaschieren“) oder aber bis zu drei Stimmen auf einen Kandidaten vereinen können („Kumulieren“). Wie auch immer die Wähler sich entscheiden: Wichtig ist, dass im Durlacher Ortschaftsrat weiterhin so kontrovers und leidenschaftlich debattiert und auch gestritten wird, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: Das beste für Durlach und seine Einwohner.


Das Stadtamt Durlach
mit insgesamt 164 Mitarbeitern umfasst neben der Hauptverwaltung die Fachbereiche Jugend und Soziales, Gartenbau, Hochbau, das Bürgerbüro mit Pass-, Melde- und Standesamtswesen sowie die Friedhofsverwaltung. In einer Artikelserie wird das Durlacher Blatt die einzelnen Abteilungen vorstellen. Der erste Bericht beginnt mit der Hauptverwaltung Die Hauptaufgaben der Hauptverwaltung liegen in den Bereichen Finanzen, Personal, Kultur und der allgemeinen Verwaltung des Stadtamtes Durlach, wie zum Beispiel Vermietungen. Die Hauptverwaltung im engeren Sinne bilden acht Mitarbeiter, davon vier in Teilzeit. Organisatorisch sind noch die Hausmeister des Rathauses, der Weiherhalle und der Karlsburg sowie sämtliche Reinigungskräfte, der Hauptverwaltung angegliedert. So umfasst die Hauptverwaltung insgesamt 22 Mitarbeiter. Die Mitarbeiter der Hauptverwaltung verstehen sich als Dienstleister gegenüber dem Ortschaftsrat, den Kollegen des Stadtamtes und den Bürgern. Im Bereich der Finanzen wird der Finanzhaushalt des Stadtamtes Durlach bewirtschaftet, der als Teilhaushalt mit einem Volumen von rund einer halben Million Euro aus der Investitionspauschale in den Gesamthaushalt der Stadt Karlsruhe einfließt. Hinzu kommen noch Investitionen der Fachämter in Durlach von jeweils rund drei Millionen Euro pro Haushaltsjahr. Neben dem Finanzhaushalt gehört auch die Bewirtschaftung des Ergebnishaushaltes, der die ständig wiederkehrenden Ausgaben abbildet, zum Tagesgeschäft. Das Stadtamt Durlach verwaltet in diesem Bereich eigenverantwortlich ein Budget von rund 65 000 Euro pro Jahr. Der Geschäftsstelle des Ortschaftsrates obliegt die Vorbereitung der Ortschaftsrats- und Ausschusssitzungen, Kontaktaufnahme mit den Fachämtern, Terminkoordinationen, falls städtische Mitarbeiter zur Beantwortung ihrer Fragen zur Verfügung stehen müssen und der Protokolldienst, damit auch immer die gefassten Beschlüsse dokumentiert werden. Eine wichtige Aufgabe der Hauptverwaltung sind Vermietungen zu unterschiedlichen Anlässen in der Karlsburg, der Nikolauskapelle, des Zehntkellers, des Rathausgewölbes und für Trauungen der Bürgersaal. Hierbei ist man auf die stolze Zahl von insgesamt 334 Vermietungen gekommen. Im Jahr 2003 belief sich diese Zahl noch auf 167, was eine Steigerung von 50 Prozent innerhalb von zehn Jahren bedeutet. Dies ist in erster Linie dem Konzept „Service aus einer Hand“ zu verdanken. Außerdem müssen noch Veranstaltungen wie der Fastnachtsumzug, das Durlacher Altstadtfest, der mittelalterliche Weihnachtsmarkt, Klassik am Turm, Durlacher Vernissage, Kultursommer und Kerwe organisiert werden oder zusammen mit Vereinen oder Trägern der Veranstaltungen auf die Beine gestellt werden. Hinzu kommen Kunstausstellungen im Rathaus und der Weihnachtsmarkt der Hobbykünstler.

 

 

 
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